Kultur : Mahnen und verstehen

Ein erschöpftes Aufatmen geht durch die Republik. Nach zehn turbulenten Jahren der Diskussion um das Mahnmal für die Ermordeten Juden Europas ist ein Schlußpunkt gesetzt - auf einen Kompromiß zwischen Eisenmann II und III hat man sich geeinigt. Fruchtbare Debatten durfte man in den vergangenen Jahren erleben, ein Selbstfindungsprozeß der bundesrepublikanischen Gesellschaft, bei dem sich die Frage nach der richtigen Art des Mahnens und des Erinnerns allzu oft mit der Sehnsucht nach einer ins Positiven gewendeten deutschen Identität vermischte. Es wurde argumentiert, das Erinnern an die "Schande" der deutschen Geschichte behindere den nationalen Neubeginn, den nach der Vereinigung notwendigen Aufbauoptimismus und unsere Zukunftsfähigkeit. Demgegenüber gab es immer wieder lobende Stimmen auch aus dem Ausland, die in der Debatte das eigentliche Mahnmal sahen, weil diese Auseinandersetzungsprozesse befördere, die das Mahnmal im Grunde anregen wolle. Weil diese Debatte sich aber immer mehr im Kreis drehte, nichts Neuses dazukam, daß noch einen Aspekt hinzufügte, war es notwendig, jetzt einen Schlußpunkt zu setzen. Und zwar nicht einen Schlußpunkt unter die Auseinandersetzung mit dem Thema Holocaust, aber einen Punkt unter die schwierige Fragestellung der ästhetischen Umsetzung eines schamvollen Erinnerns.

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