Kultur : "Majakowskiring": Marlene Streeruwitz lässt trauern

Meike Fessmann

Marlene Streeruwitz balanciert immer auf schmalem Grat. Der weibliche Alltag ist ihr Thema und das heißt, oft genug, die Banalität. Wer sich darauf einlässt, muß Strategien der Verfremdung, der Distanzierung entwickeln. Sonst droht der Absturz. Die Literatur wird dann selbst banal. Marlene Streeruwitz hat dafür ihren Stakkatostil entwickelt: kurze, abgehackte Sätze, skandiert von Satzzeichen, antigrammatisch. Das klingt immer ein bißchen atemlos, abgehetzt, affektiert. Auch "Majakowskiring", ihr jüngstes Buch, arbeitet mit dieser Kunstsprache. Was der gut hundertseitigen Erzählung aber - im Gegensatz zu ihrem letzten Roman - fehlt, ist der Spannungsbogen einer Gesamt-Konstruktion. Die Streeruwitzschen Themen gleiten ab ins Banale, der Text gerät zur Selbstpersiflage. "Die Flecken auf der ökologisch richtigen Matratze alle von ihm."

"Majakowskiring" ist die hemmungslose Ineinssetzung des Politischen und des Privaten, des Politischen und des Intimen. Eine österreichische Wirtschaftsjournalistin Anfang 50 sinnt im Bungalow der Grotewohl-Villa (früher Gästehaus des DDR-Schriftstellerverbandes, heute Sitz der literaturWerkstatt berlin) über das Ende einer Liebe nach. Während draußen der letzte Maitag des Jahres 1999 blüht, verwebt die trauernde Erzählerin ihre Liebesgeschichte mit dem Untergang der DDR: "Für sie war es richtig, in einem Wartezimmer gelandet zu sein. In einem Wartezimmer, das auf Abbruch wartete."

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