Malakhov-Nachfolger : Spanier Nacho Duato wird Ballettchef

Berlins Ballettszene ist im Umbruch: Der Choreograph Nacho Duato wird neuer Chef des Staatsballetts Berlin. Begeistert sind von ihm aber nur die wenigsten.

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Der neue Intendant des Berliner Staatsballetts: Nacho Duato. Foto: dpa
Der neue Intendant des Berliner Staatsballetts: Nacho Duato.Foto: dpa

Die Luft brennt. „Namen, Namen!“ forderte die versammelte Presse mehrmals. „Mit welchen jungen Choreografen wollen Sie in Zukunft zusammenarbeiten?“ Nacho Duato zuckt mit den Schultern und lächelt. So langsam scheint ihm bewusst zu werden, in was für ein Haifischbecken er sich da begeben hat. Erst vor wenigen Minuten hat der 56-Jährige im Roten Rathaus im Beisein von Klaus Wowereit und André Schmitz seinen Vertrag unterzeichnet. Im August 2014 folgt er Vladimir Malakhov als Leiter des Berliner Staatsballetts. Aber auf die Fragen hat Duato keine Antworten: „Ich weiß es noch nicht. Ich habe es mir noch nicht überlegt“, sagt er auf Englisch, „bitte geben Sie mir noch einige Monate Zeit“. Um mit der rituellen Formel zu enden: „But I am happy to be here.“

Der Spanier, ausgebildet unter anderem von Maurice Béjart, hat 20 Jahre die Nationale Tanzcompagnie in Madrid geleitet und mit dem Nederlands Dans Theater zusammengearbeitet. Seit drei Jahren leitet Nacho Duato das Ballett des Mikhailowsky-Theaters in St. Petersburg. Natürlich, sagt er, werde er sehr viel klassisches Repertoire zeigen, daneben soll aber auch das zeitgenössische Tanztheater einen festen Platz bekommen. Eine Aussage, die der Presse nicht ausreicht. Die Sorge, Berlin könnte unter Wowereit und Schmitz zur Abwurfstätte für Intendanten werden, die ihre große Zeit hinter sich haben, die Angst vor Mittelmäßigkeit – sie ist mit Händen zu greifen. „Benjamin Millepied ist vor kurzem Ballettchef der Pariser Oper geworden, er hat zahlreiche Namen genannt, wieso können Sie das nicht?“, will eine Journalistin wissen. 

„Nun nehmen sie mal die Aggressivität raus“, meint ein entspannt wirkender Klaus Wowereit kämpferisch und versöhnlich zugleich. Und verteidigt nebenbei, in unnachahmlich wowereitscher Dialektik, die harte Haltung gegenüber der wegzugswilligen Sasha Waltz: Deren Arbeit sei hervorragend – nicht zuletzt weil sie von Berlin so gute Bedingungen bekommen habe. Und Duato? Kann der sich vorstellen, mit Waltz eng zusammenzuarbeiten? „Ich liebe ihre Arbeit. Wir werden miteinander reden. And I am very happy to be here.“

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