Malediva : Bröckelfassaden

Malediva und ihre „Barhocker“-Show im Tipi am Kanzleramt

Tatjana Kerschbaumer

Die Auszeit hat ihnen gutgetan. Noch Anfang des Jahres sagte das Kabarett-Chanson-Duo Malediva alle Auftritte ab, weil Tetta Müller am Burn-out-Syndrom erkrankt war. Doch nachdem er den Jakobsweg absolviert hatte, war er sich sicher: Die Bühne ist sein Geschäft. Sehr zur Erleichterung seines Partners Lo Malinke, der zusammen mit dem Genesenen die neue Malediva-Show „Barhocker“ auf die Beine gestellt hat, die jetzt im Tipi am Kanzleramt Premiere feierte (weitere Aufführungen bis 24.9., 20 Uhr).

Nah an seiner Biografie arbeitete das Pärchen schon immer – nicht eins zu eins, aber deutlich erkennbar. Und so geht es in „Barhocker“ darum, dass Müller sich aus dem Showgeschäft zurückgezogen hat, um in Mitte eine hippe Bar zu führen. Dumm nur, dass diese im schimmelverseuchten Souterrain liegt und die Gäste ausbleiben. Obwohl, „der Mann von der Merkel kommt manchmal“, berichtet er strahlend, als Malinke ihn im Keller besucht. „Echt, der von Angela?“ – „Nee, der von Renate. Die vom Späti, Ecke Torstraße.“

Doch auch bei Malinke bröckelt die Fassade, seit er sich müllerlos als Travestie-Künstler im Altenheim verdingen musste: „Schrecklich! Ständig desinfizieren sie alles und die Leute sterben trotzdem!“ Notgedrungen rauft man sich also wieder zusammen, um ein letztes Mal als „Kreuzfahrtschiffnutten“ auf Tournee zu gehen. Ganz Malediva wird dabei gezickt, gefrotzelt und Arien geschmettert, was das Zeug hält. Das Duo hat wieder so viel Spaß an der gemeinsamen Show, dass beide während der Vorstellung mindestens zehnmal den Text vergessen und von Lachkrämpfen geschüttelt abbrechen müssen. Das Publikum nimmt es ihnen nicht übel. Hauptsache, Malediva sind zurück.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben