Kultur : Maler als Modell

Frank Noack

verkracht sich mit der deutschen Filmpreis-Muse Dass der Deutsche Filmpreis jetzt Lola heißt, erscheint nach wie vor gewöhnungsbedürftig. Die Kabarettsängerin aus dem „Blauen Engel“ und die Punkgöre aus „Lola rennt“ sind zweifellos Ikonen der Filmgeschichte, aber muss man deshalb Preise nach ihnen benennen? Lola hat weniger Würde als Oscar, César, David oder Goya. Selbst die Pornobranche zeigte mehr Stil, als sie sich auf den Namen Venus einigte. Hätte man nicht, wie die Spanier, einen bedeutenden Maler zum Namensgeber wählen können? Andererseits: Caspar David Friedrich, Böcklin oder Grosz klängen, als Preise, schon schräg – auch wenn sie, wie einst Goya, mit ihren Bildern mitunter geradezu filmische Wirkungen erzielen.

Auf Konrad Wolfs ambitionierten Goya-Film ist vor einer Woche an dieser Stelle hingewiesen worden. Diese 1971 fertig gestellte Defa-Produktion läuft, beflügelt durch den aktuellen Goya-Ausstellungserfolg, weiterhin in mehreren Kinos – allerdings selbst in der mit 160 Minuten längsten Fassung nur gekürzt. An dem Film Beteiligte wissen von spektakulären Schlachtszenen zu berichten, die der Schere zum Opfer gefallen sind. Ein Kontrastprogramm zu Wolfs nüchternem Lehrstück über das Verhältnis zwischen Kunst und Macht ist Carlos Sauras feuriger, fiebriger Goya in Bordeaux (1999). Dabei stand Saura zunächst in einer ähnlich realistischen Tradition wie Wolf. Aber gemeinsam mit dem italienischen Kameramann Vittorio Storaro versuchte er, Goyas ohnehin schon lebendige Bilder mit noch mehr Leben zu füllen. Der Titeldarsteller Fernando Rey bewegt sich durch bewusst artifizielle, an Operninszenierungen gemahnende Dekorationen. Jede Rückblende, mit der eine Station von Goyas Leben oder Schaffen nachgezeichnet wird, hat den Charakter einer Arie (Donnerstag, Sonntag und Dienstag im Babylon Mitte).

Die Malerei beeinflusste das Kino immer; und der Tanz? Wenn ein Film vom Tango handelt, dann wird die Kamera schon mal geradezu mitgerissen. Das Zeughauskino setzt seine Tango-Reihe (heute und Sonnabend) mit Sam Gabarskis Der Tango der Rashevskis fort, einer jüdischen Tragikomödie aus Frankreich: Neben Dani Levys handfesterem „Alles auf Zucker“ ist sie völlig untergegangen, bereitet aber auf ihre stille Art ebenso großes Vergnügen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar