Malerei von Bernd Koberling : Hinter dem Licht

Den Berliner Künstler Bernd Koberling zieht es zum Fliegenfischen nach Island. In der Akira Ikeda Gallery zeigt er zeigt seine abstrakten Naturgemälde

Michael Nungesser
“Beyond the Light – Inverted Darkness No. 5”, 2013, 200 x 155cm
“Beyond the Light – Inverted Darkness No. 5”, 2013, 200 x 155cm

Bernd Koberling einen Altmeister nennen, mag Abwehr hervorrufen. Dennoch kommen Gemälde selten so leicht, mitreißend, erwärmend, gleichwohl abgeklärt daher wie die seiner Ausstellung in der Akira Ikeda Gallery. Die Natur, die Koberling seit den siebziger Jahren, als ihn Dieter Roth nach Island lockte, zum wichtigsten Antriebsmittel wurde, steckt auch in diesen Ölbildern. Doch alles Abbildhafte ist geschwunden, die Natur ist durch Auge, Herz und Hand gegangen, lässt die Pinsel Farbe verströmen, gelöst und ungebunden, frei von Konturen und reinen Farben, spontan und konzentriert zugleich.

Natur gibt ihm Anregung: Wald und Wasser, Pflanzen und Insekten, Wind und Wetter, Licht- und Schattenspiel. Sie wollen mit „Geistesgegenwart und Erfahrung“ (Koberling) auf die Leinwand gebannt werden. Der Pinsel tanzt, setzt Linien, selten gerade, eher gekrümmt, bucklig, krakelig, bewegte Zeichen im Bildraum; er wird breit gestrichen, wellig, kurvenreich, übereinander, verwischt, teils wieder abgeschliffen, stets durchscheinend, denn Malerei ist für den 1938 Geborenen immer dünn – mit Spuren vom Fließen, Verströmen und Einsickern.

Ausgestellt sind hauptsächlich Gemälde aus der nummerierten Bilderfolge „Beyond the Light – Inverted Darkness“. Nur wenige sind flächendeckend von Farbe gesättigt. Im pulsierenden Schattenreich von „No. 3“ (20 000 Euro) tauchen rot und grünlich schimmernde Felder auf. Das düstere Rot in „No. 6“ (34 000 Euro) erscheint wie ein einziges Kraftfeld, ein Atmen und Flimmern, fein unterlegt von blasigen Strukturen und durchsetzt von länglichen Einzellern. Dunkle Untergründe bestimmen auch „No. 13“ und „No. 15“, vor denen helle, quirlige Farbfetzen ein windig-heiteres Spiel treiben. Ein paar Gemälde gehören auch zur Serie „Autumn Heath“ (13 000–14 000 Euro), die eher in Grautönen gehalten sind, die Dichte und Schwüle verströmen. Alles in allem bereitet Koberling eine malerische Naturkost zu, die die Sinne stimuliert, satt macht und bereichert. Michael Nungesser


Akira Ikeda Gallery, Christinenstr. 18-19; bis 31. 5., Di–Sa 11–18 Uhr

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