Kultur : Manfred Böttcher: Malen heisst: Bilder formen

Klaus Hammer

Wenn es um Malkultur und Formbewusstsein ging, ist er immer als einer der Ersten genannt worden. Aber erst 1992, am Ende seines sechsten Lebensjahrzehnts, hat Manfred Böttcher seine erste große Personalausstellung erhalten. Was er selbst keineswegs ungewöhnlich fand: Manfred Böttcher brauchte sie nicht früher, obwohl er als einer der Mitbegründer der Berliner Malerschule galt. Erst jetzt schien ihm der Zeitpunkt richtig gewählt zu sein.

Künstlerische Impulse, die von seinen Dresdner Lehrern Wilhelm Lachnit und Josef Hegenbarth kamen, nahm der gebürtige Thüringer nach Berlin mit. Dort begründete er in den 60er Jahren gemeinsam mit Harald Metzkes, Hans Vent und anderen einen von der sinnlichen Reflexion geprägten Peinturismus. Von Einsichten Cézannes ausgehend, gelangte fast eine ganze (Ost-)Berliner Künstlergeneration zu einer eigenwilligen Befragung der Natur. In seinen Landschaften, Interieurs und Figurenbildern formulierte Böttcher ganz aus der Farbe heraus. Er gab das Atmosphärische in Licht- und Raum-Modulationen, brach das Bildgefüge auf und brachte die Räume zum Fliehen.

Böttchers Kunst meidet jede koloristische Sensation. Die Ruhe des Gegenständlichen kontrastiert mit der flackernden Unruhe der Farben. Existenzielles wurde ihm immer wichtiger, mit der sensiblen Kultivierung der Bildhaut kam er zusehends zum Sinnbild, zum Lebensgleichnis, zur Vision von Wirklichkeit.

Die Frage, ob die Veränderungen nach der Wende auch Veränderungen seiner spezifischen Bildsprache - des Ineinander von Sinnlichkeit und bildnerischer Konsequenz - bewirkt habe, hat er unlängst ganz entschieden verneint: "Die Herausforderung der Zeit habe ich vor Jahren schon angenommen. Bildnerische Konsequenz führt zur Eindringlichkeit und bleibt ständiges Ziel. Das Scheitern spielt dabei eine Hauptrolle." Manfred Böttcher starb am 2. Januar nach schwerer Krankheit im Alter von 67 Jahren.

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