• "Mangelland in Frauenhand": Sozialismus, weiblich - Ein autobiografischer Roman über die DDR

Kultur : "Mangelland in Frauenhand": Sozialismus, weiblich - Ein autobiografischer Roman über die DDR

Eva Stern

Mit drei roten Nelken bedankte sich die DDR am Frauentag bei ihren wackeren Bürgerinnen, manchmal musste ein blaues Usambara-Veilchen einspringen. Dabei hätten die Frauen im "Mangelland" eher einen Lorbeerkranz verdient.

Der erste Roman von Ella Gabriel, der autobiographische Züge trägt, ist auch als Nachhilfeunterricht in DDR-Geschichte zu lesen. Die Heldin des Alltags steht geduldig Schlange oder organisiert einfallsreich ein Ofenrohr und Gardinenstangen. Wie die Autorin, arbeitet sich Greta in die Nähe ihres Wunschberufes hoch, scheitert aber an mangelndem gesellschaftlichem Einsatz. Das Abzeichen für gutes Wissen war leichter zu erringen als eine eigene Wohnung und ein Mann fürs Bett einfacher als einer, der den Kleiderschrank vier Treppen hoch schleppt. Mobbing im Büro gibt es auch sonst auf der Welt, aber nicht überall schaut einem ein fieser Parteifunktionär argwöhnisch auf die Finger.

Greta arbeitet in einer Berliner Zeitungsredaktion und hofft, später als Journalistin dem Staatskäfig entfliegen zu können. Mit wachen Augen streift sie durch die Hauptstadt und entdeckt manche unfreiwillige Komik, wie an einer Friedhofsmauer den Aufruf: "Kommt alle zur 1. Maidemonstration!" Die "sozialistische Weiblichkeit" wird von der Arbeiterin Frieda Hockauf angeführt. Also lernt die pfiffige Berlinerin, die ausgezeichneten Bannerträger des Staates in ihrem Artikel unterzubringen. Ihr fällt auf, wie die Bevölkerung mit unzähligen Orden und Ehrentiteln "gestreichelt" wird, sie selbst lässt sich aber nicht einseifen. So spult Ella Gabriel zehn Jahre nach Ende der DDR einen weder larmoyant noch nostalgisch gefärbten Film in epischer Breite ab.

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