Kultur : Mann oder Frau?

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SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf über getrenntgeschlechtliches Singen

Das wichtigste Ziel hat die Neuköllner Oper mit ihrer neuen Produktion erreicht: Über die Bearbeitung von Mozarts „Cosí fan tutte“ für reines Männerensemble klaffen nicht nur die Kritikermeinungen weit auseinander, auch das Publikum diskutiert heftig, ob man an Mozarts Musik ein solches Sakrileg begehen darf oder ob man Oper nicht im Gegenteil noch viel radikaler gegen den Strich bürsten sollte. Bereits jetzt steht zudem fest, dass die Neuköllner Oper mit dieser „Cosí“ nicht nur wieder einmal ihr Profil als innovative OffBühne mächtig aufpoliert, sondern auch einen neuen Publikumshit gelandet hat. Dafür sorgt natürlich nicht zuletzt das schwule Publikum, das hier endlich einmal austesten kann, ob Oper auch ohne (weibliche) Diven Spaß macht (noch bis zum 14. September, jeweils donnerstags bis sonntags). Leer gehen dabei natürlich all diejenigen aus, die aus künstlerischen oder ideologischen Erwägungen heraus Frauenstimmen bevorzugen.

Die Opernhauptstadt Berlin hat auch für jene etwas zu bieten, die den gemischtgeschlechtlichen Opernbetrieb ebenso ablehnen wie die Neuköllner Herrenparty: Noch heute und am Sonntag spielt die treffliche Lauttencompagney im Rahmen des Museumsinsel-Festivals Miletsaal des Pergamonmuseums ihr Barockopern-Pasticcio „Amazonen“ , wie der Titel schon erhoffen lässt, in rein weiblicher Besetzung. Im Publikum sind natürlich auch Männer gerne gesehen.

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