Kultur : Mannomann

Im Kino: Lynn Sheltons Komödie „Humpday“

Michael Schulz

Zwei Männer treffen sich im Hotelzimmer, sie wollen einen Film drehen, in dem sie Sex miteinander haben. Dass die beiden heterosexuell sind, soll dem Werk eine subversive Note geben – denn sie wollen es bei einem Festival für Kunstpornos einreichen, dem Humpfest. Regisseurin Lynn Shelton hat mit „Humpday“ einen brüllend komischen Film gedreht, der dabei ganz im Ernst das simple Geschlechterbild offenlegt, auf dem eine Männerfreundschaft aufgebaut sein kann.

Andrew (Joshua Leonard) und Ben (Mark Duplass) kennen sich aus ihrer wilden Zeit am College. Mittlerweile hat Andrew einen Job, eine Frau und ein Haus, während der Weltenbummler Ben Alkohol, Drogen und wechselnde Frauengeschichten bevorzugt. Als Ben nach Jahren überraschend vor Andrews Tür steht, scheint das Leben des gutbürgerlichen Ehemanns aus den Fugen zu geraten. Er begleitet Ben auf eine Party, auf der beide betrunken beschließen, diesen Kunstporno miteinander zu drehen. Für Andrew eine Chance zu beweisen, dass er immer noch ein cooler Typ ist. Die Dreharbeiten zu zweit gestalten sich dann aber recht schwierig.Bei ihren verzweifelten Versuchen, sich mittels Sex ihre Hipness zu beweisen, wird offenkundig, wie sehr sie einem stockkonservativen Wertesystem verhaftet sind, obwohl sie bislang überzeugt waren, ein Leben ohne Vorurteile zu führen. Aus diesem Dilemma zieht Sheltons Film seinen Witz, der von Leonards und Duplass’ natürlichem Zusammenspiel lebt – und von den dokumentarisch anmutenden, verwackelten Handkamera-Aufnahmen. Ein guter Anlass, um über das eigene Geschlechterbild nachzudenken, ist „Humpday“ auch noch. (OmU, fsk am Oranienplatz) Michael Schulz

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