Kultur : Maos Albtraum

Warhol, de Kooning, Bacon: Der New Yorker Höhenflug geht weiter

Matthias Thibaut

Die sensationellen New Yorker Moderneauktionen in der vergangenen Woche heizten der Contemporary Art diese Woche kräftig ein. Christie’s Gesamteinnahme von 239 Millionen Dollar lag weit über dem letzten Umsatzrekord – der erst vor einem Jahr mit 157 Millionen Dollar aufgestellt wurde. Noch nie war der Kunstmarkt so stark. Da passte es, dass Andy Warhols großes Mao-Portrait bei Christie’s für einen Rekordpreis an einen chinesischen Kapitalisten verkauft wurde. Warhol machte das Propagandafoto des Kommunistenführers zu einer Ikone westlicher Kunstware und demonstrierte schon damit die Überlegenheit des Kapitalismus. Reich geworden ist der Käufer Joseph Lau am Hongkonger Immobilienmarkt. Auf der Milliardärsliste von Forbes, in der man heute die Kunstsammler nachschlägt, steht er mit einem Vermögen von 1,7 Milliarden Dollar an Platz 471. Es gibt also genügend, die noch mehr bezahlen könnten für diese weltweit begehrte Kunst.

17,37 Millionen Dollar kostete der Warhol, ein Rekord, aber erst an der zweiten Stelle hinter dem Komma. Denn schon 1998 bezahlte der amerikanische Verleger Si Newhouse für Warhols „Orange Marilyn“ 17,32 Millionen Dollar – der Verkauf war das Signal für den großen Marktaufschwung, dessen Früchte wir jetzt sehen. Was würde jene gut 1 mal 1 Meter große „Orange Marilyn“ wohl heute erzielen? Schon ein 40 Zentimeter breites Format dieses Motivs brachte jetzt bei Christie’s 16,2 Millionen Dollar!

Einen neuen Auktionshöchstpreis für Nachkriegskunst gab es für Willem de Koonings „Untitled XXV“, 1977 in freien Gesten gemalt. Die New Yorker Kunsthandlung L&M bot mit 27,1 Millionen Dollar nahezu das Doppelte des Schätzpreises. Noch erstaunlicher waren die 21 Millionen Dollar, die ein Telefonbieter für das blutrot abstrakte „1947-R-No.1“ von Clyfford Still bezahlte. Er ist ein übersehener Pionier der Kooning und Pollock Generation, dessen Preise nun nachziehen. Die Taxe für das Bild lag mit 7 Millionen Dollar schon beim Doppelten des bisherigen Höchstpreises für den Künstler. 52 Künstlerrekorde gab es in den Auktionen von Christie’s, Phillips und Sotheby’s, auch wieder für heiß umkämpfte deutsche Kunst: Anselm Kiefer, Matthias Weischer, Martin Eder, Jonathan Meese und Andreas Gurskys, dessen Diptychon „99Cent“ bei Phillips für 2,48 Millionen Dollar zugeschlagen wurde. Als einziger europäischer Nachkriegskünstler kann Francis Bacon mit den amerikanischen Superstars mithalten. Sein Frauenakt mit Heroinspritze war Sotheby’s Spitzenlos mit 15 Millionen Dollar – 5 Millionen Dollar über Bacons bisherigem Höchstpreis. Nach einer Reihe von Portraits und Papstbildern war es ein Bacon, wie er seit den 70ern nicht mehr auf dem Markt war. Verkäufer war die Witwe des belgischen Möbelfabrikanten Roger Vanthournout, die für seine Kunstsammlung 42 Millionen Dollar erlöste. Es war genau der richtige Zeitpunkt zum Verkaufen.

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