Marbach : Literaturmuseum der Moderne eröffnet

Im schwäbischen Marbach wurde das Literaturmuseum der Moderne (LiMo) eröffnet. Bundespräsident Horst Köhler würdigte es bei der Eröffnungsfeier als "Schatzkammer der deutschen Literatur".

Marbach am Neckar - "Dies ist ein Bekenntnis zur Größe der Literatur, zum Wunder der Literatur", sagte Köhler bei einem Festakt in Friedrich Schillers Geburtsstadt. Der für mehr als zwölf Millionen Euro entstandene Säulenbau des britischen Architekten David Chipperfield beherbergt Kostbares und Kurioses.

Zu den 1300 Exponaten rund um die deutsche Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts gehören etwa das kostbare Roman-Manuskript von Franz Kafkas "Proceß" und die goldumrahmte Literaturnobelpreis-Urkunde für Hermann Hesse, aber auch Thomas Manns Taufkleid und ein Röntgenbild des lungenkranken Philosophen Karl Jaspers.

Das weltweit einzige Museum seiner Art stellt nicht einfach Papiere und Bücher aus. "Es hat vielmehr den Mut, uns die literarischen Nachlässe, die Kostbarkeiten und auch die Seltsamkeiten aus dem Marbacher Literaturarchiv wie einen Schatz zu präsentieren", sagte Köhler. Mit dem Deutschen Literaturarchiv, dem Schiller-Nationalmuseum und dem LiMo habe die deutsche Literatur ein Zuhause in Marbach am Neckar. Auf der Schillerhöhe in Marbach feierten am Dienstagabend mehrere hundert Gäste - darunter auch zahlreiche Autoren - die Eröffnung der Einrichtung.

Im LiMo werde die Literatur nicht instrumentalisiert, auch zu einer Dichterverehrung wie im 19. Jahrhundert wolle niemand zurück, sagte der Bundespräsident. "Es (das Museum) fragt nicht zuerst nach der gesellschaftlichen Relevanz, nach der politischen Botschaft, nach der moralischen Güte. Es benotet nicht. Aber es stellt seine Exponate wie kostbare und wertvolle Fundsachen aus."

Das LiMo sei kein Haus "nach einem oberflächlich verstandenen Konzept 'Kultur für alle'", betonte das Staatsoberhaupt. Es eröffne einen neuen Zugang zur Literatur. "Hier gilt vielmehr: Je mehr man weiß, desto mehr sieht man auch", sagte Köhler und rief zugleich zur intensiven Beschäftigung mit Kultur auf. "Kultur ist kein Schnäppchen - und kein Schnupperangebot." Der Leiter des Deutschen Literaturarchivs, Ulrich Raulff, betonte, dass das LiMo weniger auf Effekte mit Bühnenbildnerei, Licht und Medien ziele als vielmehr auf die "Kraft des Originals", das mit Witz und Ironie ausgestellt werde. (tso/dpa)

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