Kultur : Marcel Reich-Ranicki leidet an Krebs

Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat Meldungen bestätigt, denen zufolge er an Krebs erkrankt ist. Es gehe ihm „nicht sehr gut“, er habe aber keine Schmerzen, sagte Reich-Ranicki. Der 92-Jährige wisse schon seit einiger Zeit von seiner Erkrankung. Er werde zu Hause betreut, müsse nicht in ein Krankenhaus.

Der 1920 in Polen geborene Reich-Ranicki zählt zu den einflussreichsten Literaturkritikern im deutschsprachigen Raum. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er durch die Büchersendung „Das Literarische Quartett“ bekannt, die zwischen 1988 und 2001 mit großem Erfolg im ZDF lief. 1999 erschien seine Autobiografie „Mein Leben“, die ein Bestseller wurde. Darin berichtet er auch über seine Zeit im Warschauer Ghetto, wo er 1942 seine Frau Teofila geheiratet hatte. Ein Jahr später gelang ihnen die Flucht aus dem Ghetto, kurz vor der Ermordung aller Insassen. 2011 starb seine geliebte Frau, mit der er sieben Jahrzehnte zusammen war. Auch Reich-Ranicki selbst war in den letzten Jahren nicht mehr sehr gesund. Dennoch schrieb er weiter für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, deren Literaturredaktion er zwischen 1973 und 1988 geleitet hatte.

„Klarheit ist die Höflichkeit des Kritikers, Deutlichkeit seine Pflicht und Aufgabe“, lautet sein Credo. Allerdings lasse sich dabei Grausamkeit „leider nicht immer ausschließen“. Das bekamen viele Schriftsteller zu spüren, allen voran Günter Grass. Dessen Roman „Ein weites Feld“ bescheinigte er 1995, „wertlose Prosa“ zu sein, „langweilig von der ersten bis zur letzten Zeile, unlesbar!“ dpa

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