Marek Janowski dirigiert : So zart, so frei

Die Pianistin Anna Vinnitskaya spielt Rachmaninow beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

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Die Pianistin Anna Vinnitskaya.
Die Pianistin Anna Vinnitskaya.Foto: Gela Megrelidze/Promo

Marek Janowski fordert seine Musiker sofort aufs Äußerste: wie das schäumt und sprüht! Ein feiner Gischtnebel erhebt sich am Donnerstag in der Philharmonie am Beginn der Orchestersuite, die Richard Strauss aus der Oper „Intermezzo“ destilliert hat. Und der Maestro schiebt gleich noch eine weitere Rarität aus dem großen Œuvre des Meister-Instrumentators hinterher, die in ihrer sinnlichen Üppigkeit den Hörer geradezu betäubenden „sinfonischen Fragmente“ aus dem Ballett „Josephs Legende“ nämlich, das Strauss 1914 im Auftrag der legendären Ballets Russes komponiert hatte.

Das Rundfunk-Sinfonieorchester kann dabei alle Qualitäten ausspielen, die es sich in der Ära Janowski erarbeitet hat. Das ist zum einen der goldbronzen schimmernde, ungemein dichte Streicherklang, in den die Bläser stets gut eingebettet sind, und zum anderen jene Mischung aus Intensität und Präzision, die dem Dirigenten so wichtig ist. Eine eingeschworene Truppe ist in einer Strauss-Feierstunde zu erleben – und doch bleibt für das Publikum bei aller Bewunderung für das kunstvoll Gemachte zugleich auch ein gewisses Gefühl von Distanz, wie etwa beim Betrachten der britischen Kronjuwelen.

Ganz klare Vorstellungen hat Marek Janowski davon, wie Rachmaninows 2. Klavierkonzert zu klingen habe: hell und transparent nämlich, und nicht düsterdramatisch brütend, wie sonst oft gehört. Zum Glück hat er in Anna Vinnitskaya eine Solistin, die das ganz genauso sieht. Und zudem über eine derart souveräne Spieltechnik verfügt, dass sie selbst im virtuosesten Tongetümmel tatsächlich noch auf den Tasten singen kann.

Ganz bei sich – und frei von jedem Sentiment – ist die in Noworossijsk am Schwarzen Meer geborenen Pianistin auch im langsamen Satz, beim zarten Zwiegespräch mit der Soloklarinette, das schließlich in einen Monolog von anrührend inniger Schlichtheit mündet. Im interpretatorischen Einklang mit Marek Janowski, der hier mehr als nur Begleiter sein will, gelingt Anna Vinnitskaya eine Studie in gutem Geschmack. Und das ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit bei diesem Stück.

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