Mario Adorf : "Die Dunja war ein tolles Weib"

Was geschah damals im Tipi, während des Winnetou-Drehs? Mario Adorf hat es jetzt allen erzählt, die es wissen wollen - und nicht wissen wollen.

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Mario Adorf auf der Buchmesse in Frankfurt.
Mario Adorf auf der Buchmesse in Frankfurt.Foto: dpa

Hätte er doch geschwiegen. Hätte er sein Geheimnis doch eines Tages mit ins Grab genommen. So genau wollten wir es eigentlich nicht wissen. Doch der Prahlhans Mario Adorf, 85, musste diese Geschichte auf der Buchmesse unbedingt loswerden. In Frankfurt hat der Filmstar sein Buch „Schauen Sie mal böse. Geschichten aus meinem Schauspielerleben“ vorgestellt und aus dem Tipi geplaudert.

Bei den Dreharbeiten zu „Winnetou“ bandelte er mit Dunja Rajter an und schlug starke männliche Konkurrenz aus dem Feld: „Ich habe die Dunja Rajter dem Lex Barker und dem Pierre Brice vor der Nase weggeschnappt“, erzählt der alte Adorf und schwärmt von seiner Beute: „Die Dunja war damals füllig, richtig ein tolles Weib, grüne Augen, schwarze Haare“.

Ein gutes halbes Jahrhundert ist das her, die Karl-May-Verfilmungen der sechziger Jahre haben Generationen geprägt und Biografien verändert. Noch heute beschäftigt sich der Schriftsteller Josef Winkler mit dem Mythos Karl May, dem Suchtstoff Winnetou – wie die verehrten Bände ihm auf die Sprünge halfen, heraus aus engen, bigotten, autoritären Verhältnissen, wie er Geld klaute, um in die Buchhandlung rennen zu können. Lies Karl May und du bist frei: Das galt ja für den sächsischen Wunderautor und Vielschreiber selbst, der bekanntlich so weit ging, keinen Fuß vor die Tür zu setzen, am Schreibtisch durch die arabische und amerikanische Welt zu streifen und die tollsten Abenteuer zu erleben.

Man findet bei Karl May alles Mögliche, nur nicht: Sex. Zwar wollte Arno Schmidt in seiner Studie „Sitara und der Weg dorthin“ partout beweisen, dass Karl May ein verklemmter Schwuler war und seine Landschaften nur so wimmeln von phallischen Vorstellungen. Aber das blieb Schmidts spezielle Meinung und war wohl eher eine Projektion.

Schmidts seltsames Buch erschien 1963 – als in Jugoslawien die deutschen Indianerfilme gedreht wurden, die Kroatin Dunja Rajter darin kleine Nebenrollen spielte und Mario Adorf in die Hände fiel. Auf alle Zeit hängt ihm das Schurkenimage jener Filme an, Adorf war Santer, der geldgierige Verbrecher, der Winnetous Vater Intschu tschuna und seine Schwester Nscho-tschi umbringt. Finstere Adenauer-Jahre waren das noch, aber auf dem Balkan schien die Sonne, der Himmel über den kroatischen Nationalparks war übermenschlich blau, es wurde, erinnert sich Adorf, zu den „Winnetou“-Zeiten „viel geliebt“.

Und während die Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand ständig auf Pferderücken die Welt retten müssen und einfach keine Zeit haben für Schweinkram, macht sich Adorf an die Eingeborenenfrau heran. Was steht uns noch bevor? Eine Making-of-DVD mit wilden Partys, Sex und Sliwowitz? Aber ach, alles egal: Pierre Brice macht nichts wieder lebendig. Auch nicht die für nächstes Jahr angekündigte „Winnetou“-Neuverfllmung von RTL.

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