Kultur : Mars macht mobil

Julian Hanich

Die Eisenbahn rast durch Canyons und Wüstentäler auf den Ort der Goldgräber zu. In der Grenzstadt soll eine Gruppe von Gesetzeshütern den Mörderbanditen "Desolation" Williams aus dem Gefängnis holen und in die Hauptstadt überführen. Eigentlich hängen an einem Abend wie diesem die Pioniere im Saloon herum. Doch die Siedlung liegt da wie eine Geisterstadt. Wie sich herausstellt, hat eine Horde brutaler Ureinwohner die Kolonialisten niedergemetzelt. Die Gesetzeshüter zücken ihre Flinte. Über der Main Street weht das Lied vom Tod.

Wir sind hier nicht etwa im New Mexico des 19. Jahrhunderts, sondern auf dem Mars im Jahr 2176. Die Zukunft sieht aus wie die Vergangenheit. Ein reaktionärer Western hat sich als Science-Fiction kostümiert. Dass der Planet dabei einem Matriarchat gehorcht und das Kommando von Frauen angeführt wird, bleibt Arabeske. Regisseur John Carpenter hat schon in seinem letzten Film die "Vampires" in ein staubiges Nest in New Mexico geschickt. Diesmal hetzt er ein paar unverwüstliche Space-Cowboys wie Natasha Henstridge, Ice Cube und Pam Grier auf einen wüsten Stamm von Barbaren, die aussehen wie mutierte Kreuzungen aus den Hardrockern von "Kiss" und den "Rammstein"-Figuren Gottfried Helnweins: zerschnitten-geschundene Körper mit Piercings, Kriegsbemalung und spitzgefeilten Zähnen. Von wegen kleine grüne Männchen - diese Marsianer sind ansteckende Pseudo-Indianer mit Todesviren.

Mit diesem dröhnenden Rowdystück hat sich John Carpenter weiter denn je entfernt von den feinen Adrenalindosen seines Klassikers "Halloween". Wo einst ein paar Tastengriffe genügten, um die Nerven musikalisch zu malträtieren, heulen und kreischen jetzt die E-Gitarren von "Anthrax". "Ghosts of Mars" ist ein B-Picture im Dauerfeuer - so trashig, dass es schleunigst in die Mülltonne gehört. Der beste Witz des Films ist der Name der Produktionsfirma: Screen Gems - was soviel wie Leinwandjuwelen bedeutet. Der letzte Satz des Films , begleitet vom Durchladen zweier Gewehre, sagt alles: "Lass uns ein paar Ärsche aufreißen, das können wir am besten".

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