Kultur : Marsch durch die Installationen

Kassel will auch jenseits der Documenta glänzen

Michael Zajonz

Das Millionenpublikum der im Fünfjahreszyklus stattfindenden Documenta lässt die Kunststadt Kassel links liegen. Nach dem Marsch durch die Installationen reicht es meist gerade noch für den Zwischenstopp in einem der charmanten Fünfzigerjahre-Cafés. Nur 165 000 Mal pro Jahr finden Kunstbegeisterte dagegen den Weg in die Staatlichen Museen Kassels: katastrophale Zahlen, bedenkt man, dass die erst vor wenigen Jahren sanierte Gemäldegalerie in Schloss Wilhelmshöhe und die Antikensammlung internationalen Rang besitzen.

Das vernachlässigte Potenzial wird nun erst mit der Bewerbung Kassels zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 neu entdeckt. Damit künftig permanent Kulturtouristen strömen, will das Land zu den bereits bewilligten 100 Millionen Euro bis 2014 weitere 100 Millionen in die Neuordnung der staatlichen, kommunalen und privaten Museen investieren. Eine vom Frankfurter Architekturbüro Albert Speer & Partner und dem Wiener Museumsplaner Dieter Bogner erarbeitete Studie wurde gestern von Kultusminister Udo Curts in der Hessischen Landesvertretung in Berlin vorgestellt.

Speer und Bogner geht es dabei um ein inhaltlich verknüpftes Ganzes. Wie lockt man Besucher des Documenta-Areals quer durch die Stadt auf die Wilhelmshöhe? Wodurch können Häuser wie das Brüder-Grimm-Museum oder das Hessische Landesmuseum zu sinnfälligen Anlaufstellen im Parcours qualifiziert werden? Eine herkulische Arbeit, so könnte man in Anspielung auf den Wilhelmshöher Herkulesbrunnen das Vorhaben nennen. Sollte es sich verwirklichen und danach auch im Tagesbetrieb dauerhaft finanzieren lassen, dürfte der viertgrößte deutsche Museumsstandort zum Modellfall für die Sanierung kommunaler Kulturlandschaften werden.

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