Kultur : Martenstein geht jetzt auch noch unter die Modekritiker

Martenstein

Letzte Nachricht. Der amerikanische Sänger George Michael hat sich in einer Pressekonferenz in Berlin bei der ganzen Welt offiziell für die Achtzigerjahre-Mode entschuldigt. Michael, dessen Biografie Thema eines Berlinale-Films ist, nannte ausdrücklich das so genannte, vor allem in Osteuropa noch immer beliebte „stonewashed“-Verfahren bei Jeans. Dieses gehe wesentlich auf sein Vorbild zurück. Dafür übernehme er „ausdrücklich die Verantwortung“.

Bis kurz vor Schluss bleibt diese Berlinale also ein ungewöhnlich politisches Festival. Zu Beginn, wir erinnern, erschien ein chinesisches Jurymitglied praktisch nackt zum Eröffnungsempfang, um auf diese Weise auf die Lage der Menschenrechte in seiner Heimat aufmerksam zu machen.

Ein für alle Besucher besonders bewegendes Thema aber fand jenseits der Kinosäle statt – es war die bevorstehende Hochzeit von Prinz Charles und Camilla Parker. Laut Recherchen der „Bild“-Zeitung gibt es eine Absprache, der zufolge Charles zugunsten seines Sohnes William auf die Thronfolge verzichtet hat. Im Gegenzug stimmt die Queen der Hochzeit zu. Aber William ist erst 22 Jahre alt. Falls die Frage der Thronfolge sich, was niemand hofft, schon bald stellt, braucht das Vereinigte Königreich vermutlich eine Interimslösung. Wie mir ein britischer Kollege verraten hat, soll in dieser Frage, natürlich sehr diskret, Joschka Fischer im Buckingham Palast vorgefühlt haben. König könne er. Die Queen sei allerdings irritiert gewesen, weil in der gleichen Angelegenheit kurz zuvor, ebenfalls aus Deutschland, ein Mister Mayer-Vorfelder angerufen habe. Nach seinem bewegenden Berliner Auftritt, der in dem etwas rätselhaften Satz gipfelte: „Mister Gorbachev! Tear down these stonewashed jeans!“, kommt aber auch George Michael in Frage.

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