Kultur : Martenstein sieht Joschka Fischer und denkt an naturgeile Visa

Martenstein

Ich war bei Joschka Fischer. Er hat im Historischen Museum die Filmreihe „Selling Democracy“ eröffnet. Deutsch: „Die Demokratie wird verkauft.“ Man könnte glatt denken, dass es in den Filmen um den Verkauf von Visa an Ukrainer geht. Aber es sind mehr so historische Filme aus der Nachkriegszeit. Es war Joschka Fischers erster Auftritt, seit er die Verantwortung für die Visaaffäre übernommen hatte. Die Rede hat er runtergeleiert. Als er noch verantwortungslos war, hat er viel schöner betont.

Ich kann mich nicht erinnern, dass sich jemals ein Land innerhalb kürzester Zeit medial so nach vorn gepusht hat wie die Ukraine. Erst Michel Friedman und die naturgeilen Ukrainerinnen, dann der ukrainische Sieg beim Grand Prix de la Chanson, dann die Orangenrevolution. Dann spielt fast sicher die Ukraine zum ersten Mal bei der Fußball-WM mit, jetzt also Joschka Fischer und die naturgeilen Visa. Angefangen hat die U-Kultur im Grunde mit Friedman. Er arbeitet übrigens inzwischen wieder ganztags, in seinem alten Beruf als Mahner. Er hat damit gedroht, aus Protest gegen die Neonazis Deutschland zu verlassen. Als ich das hörte, dachte ich: „Das ist, als ob Robert Hoyzer damit droht, aus Protest gegen den Hunger in der Welt in Zukunft nur noch Eishockeyspiele zu pfeifen.“

In der „Süddeutschen Zeitung“ steht: „Das Hauptproblem der Berlinale ist Berlin.“ Das Hauptproblem der Süddeutschen Zeitung bleibt München. Apropos Promis: Anke Engelke ist schwanger. Es heißt, Vater des Kindes sei ihr „derzeitiger Lebensgefährte“. Gibt es denn wenigstens in der Ukraine noch ein bisschen Romantik?

Das Hauptproblem der Berlinale ist, dass sie terminlich mit der Winterenddepression zusammenfällt. Das Hauptproblem von Joschka Fischer aber kommt vielleicht erst noch heraus.

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