Kultur : Martenstein stülpt sich eine Wassermelone über den Kopf

Martenstein

Frage: Woran merken wir, dass die Berlinale in Berlin stattfindet? Antwort: Auf Seite 24 des offiziellen Berlinaleprogramms findet sich die Information, der Zweite Weltkrieg sei „1946“ zu Ende gegangen. Höchstwahrscheinlich stammt der betreffende Text vom Regierenden Bürgermeister persönlich.

Im Wettbewerb lief „Der Untergang“ auf japanisch. Ich habe gelernt, dass die Rolle, welche im Leben des Führers der Deutsche Schäferhund gespielt hat – treuester Gefährte, letzter Vertrauter – im Leben des Kaisers Hirohito von einem Krebs eingenommen wurde. Hitler brüllte am Ende nur noch rum, der Kaiser sprach leise mit seinem Krebs und übte Schönschrift. Der Film war so langsam, so dunkel und so viele Leute gingen kopfschüttelnd ’raus, dass ich nach 20 Minuten dachte: „Das wird sicher ein Mega- Hit bei den deutschen Filmkritikern. Langsame Filme mit sehr wenig Licht, so genannte Feeldarkmovies, kommen immer gut an.“ Genau so war es.

In der Urania habe ich den taiwanesischen Melonenporno gesehen. In Taiwan scheint es nicht unüblich zu sein, sich beim Sex ausgehöhlte Wassermelonen über den Kopf zu stülpen, vor allem die Männer tun es. Es scheint gar nicht so übel zu sein, die Chinesen machten einen zufriedenen Eindruck. Neben mir saß eine ältere Dame, die ihre Brille an einer Perlenschnur befestigt hatte und auf deren Schoß eine malvenfarbene Handtasche sowie der „Rheinische Merkur“ lag. Bei der Melonenszene kicherte sie. Solche Erlebnisse bietet von allen Kulturereignissen nur der Film, in der Folkmusik geht das nicht.

Der Wettbewerb war in diesem Jahr übrigens so schwach, dass man Moritz de Kosslick, wenn er nicht so ein netter Typ wäre, deswegen ganz bestimmt ausgeschimpft hätte. Statt eines Bären hätten die meisten Filme eine Wassermelone verdient.

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