Martenstein zur Berlinale 2016 : Dieter Kosslick sollte den BER managen

Harald Martenstein schreibt jeden Tag eine Kolumne über die Berlinale. Zum Start geht es um Dieter Kosslicks Kunststücke, einen langweiligen "Hail, Caesar!" und das "Recht auf Glück".

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Dieter Kosslick: Wieso eigentlich nur der Macher der Berlinale?
Dieter Kosslick: Wieso eigentlich nur der Macher der Berlinale?Foto: Jens Kalaene/dpa

Berlin hat leider den Ruf, dass dort wenig klappt und dass sie dort mit den Projekten nie rechtzeitig fertig werden. Nun, es gibt eine Ausnahme, sie heißt Berlinale.

Auch in diesem Jahr wurde das Festival genau am versprochenen Tag eröffnet, sogar die Uhrzeit stimmte halbwegs. Fast alle Filme fangen pünktlich an und werden ordnungsgemäß entraucht. Das ist immer so. Ich weiß nicht, wer außer Dieter Kosslick ein solches Kunststück in Berlin zustande bringen könnte. Warum managt dieser Mann nicht den Flughafenbau?

Die Kosten der Berlinale betragen 23 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die gleiche Summe, 23 Millionen, muss Osnabrück zur Deckung des Defizits beim Städtischen Klinikum aufbringen.

Der Eröffnungsfilm der Berlinale, „Hail, Caesar!“, hat alles, was großes Kino angeblich braucht. Einen originellen Plot, Pointen, gute Dialoge, Stars sogar in den kleinsten Rollen, schöne Bilder, massenhaft interessante Ideen. Es wird in „Hail, Caesar!“ auch viel geraucht, wegen der perfekten Berlinale- Film-Entrauchungsanlage geht das. Das Ganze wirkt trotzdem so, als hätte ein Koch Trüffel, Champagner, Hummer und Kaviar in einen Topf geworfen, das Ergebnis muss nicht unbedingt schmecken. Der Film ist auf hohem Niveau leblos und langweilt auf immerhin amüsante Weise. Es hat mich an „Grand Budapest Hotel“ erinnert, den Eröffnungsfilm vor zwei Jahren, da hatte ich das gleiche Gefühl.

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Selfie mit George Clooney zur Berlinale-Eröffnung

In diesem Jahr hat die Berlinale nach dem Willen ihres Chefs ein Motto, es heißt „Recht auf Glück“. „Glück“ ist etwas Individuelles, Intimes, jeder versteht etwas anderes darunter. Der eine findet das Glück im Kreis der Familie, der Rennfahrer findet es bei Tempo 250, der Lustmörder sucht sein Glück vielleicht beim Lustmorden.

Das Glück des Stärkeren kann für dessen schwächeren Mitmenschen recht unangenehme Nebenwirkungen haben, deshalb wurden Gesetze erfunden. Eine Gesellschaft, in der jeder sich auf sein „Recht auf Glück“ berufen darf, wäre die Hölle. „Recht auf Glück“ – dieses Motto ist leider genauso überehrgeizig wie der Film „Hail, Caesar!“. Das „Recht der Osnabrücker auf Behandlung im städtischen Klinikum“ halte ich dagegen für realisierbar, wäre das nicht ein schönes Motto?

Harald Martenstein schreibt täglich über seine Berlinale 2016.
Harald Martenstein schreibt täglich über seine Berlinale 2016.Foto: picture alliance / dpa

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