Martensteins Berlinale (6) : 90 Minuten lang Kommunist

In einer Kritik stand, der Film "Die Frauen aus der sechsten Etage" bediene das konservative Vorurteil, man könne auch ohne Geld glücklich sein. Doch Filme sollte man nicht ideologisch beurteilen.

von
Tagesspiegel-Autor Harald Martenstein bei der Berlinale.
Tagesspiegel-Autor Harald Martenstein bei der Berlinale.Foto: Thilo Rückeis

Der Film „Die Frauen aus der sechsten Etage“ ist total süß, eine total süße Liebesgeschichte. Er ist Großbürger, sie ist Dienstmädchen. Süßer geht es doch kaum. In einer Kritik stand, der Film bediene das konservative Vorurteil, man könne auch ohne Geld glücklich sein. Diese Kritikerin hat ein Rad ab. Ich finde, man darf Filme nicht ideologisch beurteilen. Wenn ein Film zum Beispiel kommunistisch ist und er preist den Kommunismus auf überzeugende Weise, dann hat der Künstler doch erreicht, was er wollte und einen guten Job gemacht. Ich finde das dann auch gut und bin im Kino halt 90 Minuten lang Kommunist, ich finde da nach dem Film schon wieder heraus. Das ist doch das Tolle am Kino, man ist mit dem Kopf woanders. Diese Kritikerin soll sich mal ein bisschen locker machen.

In dem Film saß ich neben einem Kollegen, der seit Jahren nicht mehr mit mir redet – ich habe das bemerkt, und wusste nicht, wieso. Das ist an sich ein netter Kollege. Nun redeten wir und er sagte, ich hätte vor Jahren mal gesagt, er sei ein Faschist. Wir hätten uns über einen Film gestritten. Er habe mir das übel genommen. Er sei nämlich gar kein Faschist. Ich sagte, unmöglich, so was würde ich nie bringen. So bin ich nicht. Vielleicht habe ich ihn gefragt, wo die Flasche ist, ein Hörfehler. Oder ich habe gesagt: „Siehst Du denn nicht, dass dieser Film falsch ist?“

Aber er beharrte darauf. Habe ich einen Doppelgänger? Deswegen erkläre ich: Wenn jemand behauptet, alle Filme sind schlecht, in denen Leute auch ohne Geld glücklich werden, dann irrt diese Person. Aber sie ist keine Faschistin. Das kann trotzdem eine ganz tolle Frau sein. Danach war ich beim Filmempfang der SPD. Ich gehe da jedes Jahr hin. Warum eigentlich? Manchmal ist der Mensch sich selbst das größte Rätsel. Jemand sagte, dass der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und der Sänger Gunter Gabriel miteinander verwandt seien, Halbbrüder, das wisse kaum jemand und sei geheim. Ja, ja, sagte ich, und Peter Gabriel ist der dritte Bruder, die Gabriels sind so was Ähnliches wie die Bee Gees, nur, dass sie keine Falsettstimmen haben, stattdessen SPD-Parteibücher. Ich halte das für Quatsch. Aber inzwischen weiß ich überhaupt nicht mehr, was ich glauben soll.

3 Kommentare

Neuester Kommentar