Martensteins Berlinale (III) : Clooney - this was not good

"Monuments Men", schön und gut - aber irgendwie zu überladen. Wie unsere Rundfunkgebühren. Vielleicht sollte George Clooney sich des öffentlich-rechtlichen Fernsehens annehmen - da könnte dann auch ein deutscher Berlinale-Regisseur noch was lernen.

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'Tschuldige George, aber this was not good
'Tschuldige George, aber this was not goodFoto: dpa

Ich war nicht bei George Clooney auf der Pressekonferenz. Ich hätte ihm nicht in die Augen sehen können. Clooney ist schon toll, aber this was not good. Allein schon die Musik. Wenn mir im Kino die Musik zu penetrant sagt, was ich fühlen soll, fühle ich mich intellektuell unterschätzt. Ich kann die traurigen von den lustigen Stellen schon alleine unterscheiden.

Mein Tipp an junge Regisseure: Wenn man die Zuschauer für ein bisschen unterbelichtet hält, dann hat man womöglich recht, aber man darf es sie auf gar keinen Fall spüren lassen.

Penetrante Musik zerstört ebenso viele Kunstwerke, wie die Nazis es im Zweiten Weltkrieg getan haben. Ich möchte eine Brigade losschicken, "The Soundtrack Men", die Filme von ihrem penetranten Soundtrack befreien – und penetrante Komponisten zur Strafe in ein Salzbergwerk einsperren.

Warum deutsche Filme lahmen - und US-Serien funktionieren

Den deutschen Beitrag „Jack“ fand ich besser. Einige Kritiker haben zu Recht darauf hingewiesen, dass „Jack“ sogar noch besser wäre, wenn er nicht diese Fernsehfilm-Ästhetik hätte. Fernsehen heißt: Bilder ohne Geheimnis. Das deutsche Fernsehen schwimmt im Geld, aber sie gehen extrem ungern ein künstlerisches Risiko ein. Warum? Weil sie ihr Geld sowieso kriegen, in Form einer Art Steuer. Führt eine Kunstgebühr ein, die jeder zahlen muss, gebt jedem Maler 100 000 Euro, bevor er überhaupt zum Pinsel greift, schafft Stellen für Kunstredakteure, die jedes Bild bewilligen müssen, und ihr beendet damit die Geschichte der bildenden Kunst in Deutschland.

Ein amerikanischer Produzent kann reich werden, wenn er ein künstlerisches Risiko eingeht und die Sache gelingt. Ein deutscher Fernsehredakteur kriegt Ärger, wenn er ein Risiko eingeht, im Fall des Gelingens gewinnt er nichts. No risk, no art. Das deutsche Staatsfernsehen ist aus dem gleichen Grund international erfolglos, aus dem die DDR-Wirtschaft erfolglos war: Planwirtschaft. Deshalb kommen neue Ideen, ob gut oder schlecht, immer zuerst bei den Privatsendern zum Zug.

Die großartige Fernsehserie, die bei der Berlinale gezeigt wird, „House of Cards“, stammt natürlich aus den USA.

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