Martin Grubinger in der Philharmonie : Urwaldsound im Tiergarten

Treibende Beats, rhythmische Glut: Martin Grubinger und seine Freunde rocken die Philharmonie

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Herr der Klöppel. Martin Grubinger.
Herr der Klöppel. Martin Grubinger.Foto: picture alliance / dpa

Schon nach der ersten Nummer ist da dieses Dröhnen im Ohr, als wäre man auf einem Rockkonzert. Martin Grubinger hat seine Freunde vom „Percussive Planet“ in die Berliner Philharmonie mitgebracht, um die ehrwürdige Klassikhalle mal so richtig zu rocken. Oder, wie es der Salzburger Virtuose ausdrücken würde: „um ein bisschen Musik zu spül’n.“ Mit einer brillanten Bigband im Rücken – und massiver elektronischer Verstärkung.

Mehrere Stücke spielt die Formation am Freitag zum allerersten Mal, die meisten davon sind Eigenkompositionen oder Arrangements von Herrn Grubinger senior. Martins Vater ist als echter Daddy Cool immer mittenmang: mal animiert er die Bläser zu noch knackigeren Soli, mal verstärkt er die Rhythmusgruppe, dann steht er wieder hinterm Vibraphon oder legt auf der Vorderbühne eines seiner berüchtigten, unnachahmlich enthemmten Tänzchen hin.

Ob Joao-Gilberto-Samba oder Michel-Camilo-Cha-Cha, ob Piazzolla-Tango oder Milt-Jackson-Swing, jede Nummer steckt voller Wow-Effekte. Martin Grubinger lässt die Klöppel fliegen, um ihn herum flitzen seine Mitstreiter zwischen dem millimetergenau platzierten Instrumentarium hin und her, lassen es knacken, schnalzen, scheppern, wummern, klingeln und klirren.

Am großartigsten aber gelingt die Eröffnung des zweiten Teils. Während das Publikum noch aus der Pause in den ausverkauften Saal zurückströmt, geht plötzlich das Licht aus. Eine suggestive, nächtliche Urwald-Soundkulisse steigt im Dunkeln auf, aus der sich schließlich ein Beat herausschält, der immer treibender wird und nicht nur die Helligkeit zurückholt, sondern auch einen Spieler nach dem anderen mitreißt. Rauschhaft steigert sich das Team, bis der erste Höhepunkt erreicht ist, dann sinkt alles wieder in den Urzustand zurück. Doch die rhythmische Glut schwelt noch, schon kündigt sich eine neue Klangwelle an. Mehrfach wird das so weitergehen, bis Joe Zawinuls „Birdland“ am Ende locker die Länge einer kompletten frühklassischen Sinfonie erreicht. Atemberaubend. Mit seiner tollen Trommlertruppe hat Martin Grubinger mittlerweile eine Improvisationspower entwickelt wie die großen Jazzer – nur dass in seiner Band eben 16 Arme das Schlagwerk bedienen.

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