Kultur : Martina Brandl: Berliner Diseuse in der Ufa-Fabrik

Jochen Metzner

Sie gehört zu den glücklichen Gemütern, die ihre eigenen Schwächen in bühnenwirksames Show-Kapital umwandeln können. Wenn Martina Brandl, die Berliner Diseuse mit der leicht pummeligen Gestalt, sich einen Barhocker zu erklimmen anschickt, dann wird daraus ein Unternehmen, bei dem nicht nur das hautenge Kleid extremen Spannungen ausgesetzt ist, sondern auch die Voyeursschar in der Ufa-Fabrik das Mitfühlen, ja Mitzittern mit ihrer tollkühnen Anti-Heldin lernt (noch bis 4.11. sowie 8. bis 11.11., 20 Uhr 30). Wer so respektlos gegen sich selbst ist, darf sich gegen Andere erst recht was rausnehmen. Es ist das Show-Business und seine Stars, denen Martina Brandls parodistische Hassliebe gilt, von Peter Maffay über Evita Perón bis Michelle Pfeiffer. Und doch ist die Diva mehr als nur eine der allzeit beliebten Ulknudeln vom Dienst. Ihr musikalischer Ideengeber und Bandleader Martin Rosengarten hat sie nämlich mit ungewöhnlich anspruchsvollen Stücken ausgestattet, deren spannungsreiche Arrangements sie immer wieder zur samtweichen Sängerinmutieren lassen. Sie erweist sich beim Berliner Heimspiel vor begeistertem Publikum als äußerst aufgeweckte Kurzweilerin.

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