Kultur : MARTINA GEDECK

Kai Müller

Sie ist der Trumpf in den Männerkämpfen, die in „Das Leben der Anderen“ toben. Wer eine so schöne Frau hat, wird angreifbar, hoffen die Stasi-Schergen. Am Ende bekommt sie keiner, sie liegt mit zertrümmertem Schädel auf dem Pflaster. Martina Gedeck ist als Christa-Maria Sieland trotzdem kein Opfer. Sie hätte jeden verraten, um als Schauspielerin weiterarbeiten zu können. Aber dann ist sie zu schwach, um mit den Folgen zu leben. Martina Gedeck blickt oft tief in die Verletzbarkeit ihres Berufs. Etwas unergründlich Trauriges liegt in dem strengen Gesicht, das selbst im bezauberndsten Lächeln eine gewisse Reserviertheit behält. Niemals würde sie sich vor der Kamera ausziehen, lautete eines ihrer frühen Gelübde. Denn: „Nacktsein entzaubert den Menschen.“ Sie hat das zuletzt nicht so eng gesehen in „Elementarteilchen“, „Sommer 04“ und „Das Leben der Anderen“. Nicht, dass sie damit ein Geheimnis gelüftet hätte, nach dem sich der männliche Blick verzehrt. Ihr Körper war sowieso immer präsent als der Leib einer starken, verletzlichen Frau. Einer wirklichen Frau. Nicht eines Traumgeschöpfs, das ein Mann nur um des Begehrens willen aus der Verankerung zu reißen sucht. So wenig, wie sie selbst von sich verraten will, so wenig tun das ihre Figuren. Sie sprechen mit den Augen, den Händen, der Art, wie sie nicht sprechen. Sie sind alles, nur nicht geschwätzig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben