Marwan Kassab-Bachi gestorben : Der Seelenmaler

Nach Berlin kam er 1957, da war Marwan 23. Der gebürtige Syrer blieb und gab später Sommerkurse im Orient. Nun ist der Maler mit 82 Jahren gestorben.

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Der verstorbene Marwan kam mit1957 nach Berlin. Immer wieder rang er mit der Frage, ob er nach Damaskus zurückkehren solle.
Der verstorbene Marwan kam mit1957 nach Berlin. Immer wieder rang er mit der Frage, ob er nach Damaskus zurückkehren solle.Foto: Pete Burns

Ein Künstler, der aus Syrien stammt, nach West-Berlin geht und dort bleibt – und jetzt ist er gestorben, wo seine Kunst aktueller nicht sein könnte. Marwan, mit vollem, nie mehr benutztem Namen Marwan Kassab-Bachi, hätte sich indessen gegen jede politische Vereinnahmung gewehrt. Er wollte Künstler sein, als er 1957 im Alter von 23 Jahren aus Damaskus nach Berlin ging, um an der Hochschule der Künste bei Hann Trier zu studieren. Der stand damals im Zenit seiner Laufbahn – und malte ungegenständlich. Marwan hat viel von ihm gelernt, aber seinen eigenen Weg genommen, zeitgleich mit künftigen „Wilden“, mit figurativen Malern wie Georg Baselitz und Eugen Schönebeck. Er malte Köpfe, Gesichter, zeitlebens, aber wie: Ganze Landschaften stecken darinnen, Seelen- wie Farblandschaften, übereinander gemalt in zahlreichen Schichten. Schließlich wurde er selbst Professor an der Hochschule, er blieb es zwanzig Jahre lang, und 1994 nahm ihn die Akademie der Künste auf. In Berlin hatte er 2009 seine letzte Retrospektive, zum 75. Geburtstag im Haus am Waldsee.

Sich selbst hat er einmal mit den Vögeln verglichen, jener Art, die im Unterschied zu den Zugvögeln „in der Heimat auf einem kleinen Baum“ sitzen: „Von da gucken sie und sehen die Welt. Ich gehöre zu der zweiten Art.“ Lange hat Marwan mit sich gerungen, ob er nach Damaskus zurückkehren sollte, wo er ein Studium arabischer Literatur absolviert hatte, bevor er nach Berlin ging. Er fand einen Kompromiss und unterrichtete jahrelang in den Sommermonaten in Amman, der jordanischen Hauptstadt. Seine Werke werden von Sammlern geschätzt, auch in seiner nahöstlichen Heimat, etwa in Beirut. Das Vorhaben – das jetzt von der Akademie mitgeteilt wurde –, der Stadt Damaskus „ein Konvolut seiner Bilder zu übergeben“, hat der Krieg in Syrien verhindert. Am vergangenen Sonnabend ist Marwan 82-jährig in Berlin gestorben.

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