Kultur : Maschine Mensch

Ulrich Clewing

teilt die neu-alte Liebe der Künstler zum Roboter Fritz Lang war ein Genie. Als er für „Metropolis“ nach einer Figur suchte, die die perfekte Verführung darstellen sollte, da erfand er einen Roboter. Seitdem hat das besondere Verhältnis zwischen Mensch und Menschenmaschine auch die bildenden Künstler immer wieder fasziniert.

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So betrachtet, steht der 1970 in Novi Sad geborene Nandor Angstenberger mit seinen Werken in einer mittlerweile altehrwürdigen Tradition. Zum Glück sieht man ihnen die Tradition jedoch nicht an: Die Skulpturen, die der Absolvent der Hamburger Hochschule für Bildende Künste derzeit bei Breitengraser ausstellt, wirken frisch und unverbraucht, als seien sie die ersten ihrer Art (Sophienstraße 34, Mi.–Sa. 14–19 Uhr, bis 2.Juli). Sie heißen „Robin“ (6500 Euro) und „Bruns“ (2100 Euro). Dabei übernimmt „Robin" den Part der Menschenmaschine, und „Bruns“ ist eher so etwas wie Robins Haus: ein verrückter kleiner Zuckerbäcker-Palast mit Türmchen, Antennen, Sonnendecks und sehr vielen Etagen. Diese sonderbare Architektur ist zusammengebaut aus Einzelteilen, die andere Leute sorglos in die gelbe Tonne hauen würden.

Es handelt sich um recyclebares Material, vulgo Plastikabfall. „Robin“ besteht aus dem gleichen Stoff, allerdings ist er im Gegensatz zu „Bruns“ richtig groß, etwa 2,20 Meter. Man kann in ihn hineinschauen wie in einem Miniatur-Wolkenkratzer und dabei die unterschiedlichsten Dinge entdecken, mit denen Angstenberger seine Konstruktion ein wenig aufgelockert hat: Zahnbürstenköpfe, Spülringarme, persönliche Fotos aus Kindertagen. Das Schöne daran: Je genauer man hinschaut, desto mehr Rückverwandlungen lassen sich beobachten – von „Robin“, dem Roboter, zurück zum Alltag, der immer noch die besten Geschichten erzählt.

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Gebastelt sind auch die neuen Arbeiten von Axel Lischke bei Rafael Vostell . Das heißt: Eigentlich sind sie geschraubt. Die mittelgroßen Platten aus poliertem Stahl, mehr Maschine als Mensch, sind übersät mit Eisenschrauben und Eisenmuttern und Eisenstiften, als hätte Lischke spät, aber nicht zu spät „Fischer-Technik“, das Lieblingsspielzeug der Gender-Studies, aus seinem Unterbewußten hervorgekramt (Schönhauser Allee 176, Di.–Sa. 12–18 Uhr, bis 14. August). Schon früher hat sich Lischke gern mit den Bedürfnissen seiner Geschlechtsgenossen auseinander gesetzt. Nun hebt er die drei Ingredienzien Auto–Haus–Baggerfahren unerwartet auf ein neues Niveau (750 Euro – 13000 Euro). Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt, sondern manchmal auch nur Metall.

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