Kultur : Maskenmänner

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

einen Gang zu den Dämonen

40 Jahre nach Martin Luther King sind die Dinge immer noch nicht im Lot. In dem Konzertfilm „Lightning In A Bottle“, der bei der Berlinale gezeigt wurde, berichtet der Sänger Solomon Burke, wie schnell man als schwarzer Bluesmusikers in Lebensgefahr kommen konnte. Als er herausfand, dass er für eine Klu-Klux-Klan-Versammlung gebucht war, war es bereits zu spät, abzuhauen. Er bekam nur die Anweisung, einfach weiter zu singen, egal was passiert. Auch der Gitarrist und Sänger Louisiana Red , der heute abend in der Petruskirche (20 Uhr) auftritt, weiß sehr genau, wovon Burke da spricht. Red, der 1932 als Iverson Minter in Alabama geboren wurde, erfuhr schon früh harte Schicksalsschläge. Seine Mutter starb kurz nach seiner Geburt, sein Vater wurde vom Klu Klux Klan gelyncht, da war Red gerade neun Jahre alt. Seit 1949 lebt Red den Blues auf Schallplatten und Bühnen, beeinflusst von Muddy Waters und Lightnin Hopkins hat er mit den meisten gespielt, die in der Welt des Blues wichtig sind. Seit 1981 lebt er in Deutschland. Unter www.louisiana- red.com kann man sich einige Stücke herunterladen, darunter auch das sehr beeindruckende „They March And They Sing“, sein Blues über das Civil Rights Movement der Sechzigerjahre und den Kampf gegen den Rassismus.

Abschied von Berlin nimmt heute abend der afroamerikanische Geiger Billy Bang , der seine Konzerte als musikalische Aufarbeitung Höllentrips begreift. Mit der CD „Vietnam. The Aftermath“ änderte sich für den New Yorker Musiker das Leben. In den USA meldeten sich viele Vietnam-Veteranen bei ihm aus Dankbarkeit. Auch sie hatten versucht, ihre Albträume mit Drogen und Alkohol zu bezwingen, irgendwie diese verdammten Bilder der Zerstörung aus dem Sinn zu kriegen. Bang sagt, als er als 21-jähriger aus Vietnam zurückkehrte, war er vom stolz posierenden Soldaten zum Anti-Amerikaner geworden. Er spielt heute im A-Trane (21 Uhr).

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