Kultur : Massen im Koma

DIRK SCHÖNLEBE

"Länger dauernde, tiefe Bewußtlosigkeit, die durch starke äußere Reize nicht unterbrochen werden kann." In Meyers Enzyklopädischem Lexikon kann man lesen, was unter "Koma" zu verstehen ist.Aber wer den Auftritt von Such A Surge miterlebt hat, braucht dieses Nachschlagewerk nicht.Als die knapp eineinhalb Stunden dauernde Klang-Flut im ausverkauften SO 36 verebbt war, waren die meisten Besucher einem Koma nahe, die fünf Braunschweiger hatten ihnen alles abverlangt - und alles bekommen."Was Besonderes" heißt die neue CD, die Such A Surge auf ihrer KOMA-Tour vorstellen.Und im SO 36 hatten sie damit leichtes Spiel, auch wenn viele in der Halle meinten, daß die alten Scheiben "Under Pressure" und "Agoraphobia Notes" etwas besser waren.Such A Surge mußte nur auf die in tiefes Blau getauchte Bühne treten, Frontman Olli S.den Fans nur ein "Berlin" entgegenschleudern, und schon war die Menge willenlos.Mit "Koma" von der aktuellen CD begann das Hip-Hop-Metal-Crossover-Spektakel, und die Zuschauermenge mutierte zu einem hüpfenden und pogenden Etwas.Aus Willenlos wurde bald Schweissnaß und Entrückt, bis es auch egal war, daß die Braunschweiger erst um 23 Uhr auf die Bühne gekommen waren.Neues wie "Ma Chair et mon Sang" oder "Bloß Du nicht" wurde zielsicher mit Klassikern wie "Schatten" gemischt.Als das Konzert mit "Jetzt ist gut" einen krönenden Abschluß zu haben schien, hatte Berlin aber noch nicht genug."Standing Ovations" war der Beginn der Zugabe und das Motto, als Such A Surge irgendwann doch aufhörten.Mit ihnen gingen die Zuschauer, und zurück blieb was Besonderes: eine zufriedene, länger dauernde, tiefe Erschöpfung.

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