Kultur : Massive Attack

Diese Woche auf Platz 24 mit: „Collected“

Ralph Geisenhanslüke

Best-Of-Compilations gelten normalerweise als Erklärung des kreativen Hirntods. Und nach den letzten Veröffentlichungen von Massive Attack käme der auch nicht überraschend. Ein Trauerspiel zu hören, wie Massive Attacks einstmals cooler und reduzierter Sound in breiigem Gitarrenpomp versackte.

Am Ende blieb nur noch Robert Del Naja, bekannt als 3D. Sein Partner Daddy G hatte sich in die Babypause verabschiedet, um wenigstens dort für fruchtbare Entwicklungen zu sorgen. Nun scheint der Nachwuchs allmählich aus den Windeln zu sein. Die beiden schrauben wieder gemeinsam an neuen Werken. Und es gibt Hoffnung: „Collected“ enthält in der „Deluxe Version“ nicht nur eine DVD mit allen Videos (von denen einige immer noch großartige Kurzfilme sind), sondern auch Raritäten und eine Hand voll neuer Songs, teilweise noch im Layout-Zustand. Die fertigen Versionen, zum Beispiel des mild psychedelischen, an frühe Pink Floyd gemahnenden „False Flags“, sollen nächstes Jahr erscheinen.

Einen neuen Song haben sie aber doch komplett fertig gestellt: „Live With Me“, gesungen von Terry Caillier. Der ist, für alle, die ihn bislang nicht kennen, ein ähnlich großer Vergessener wie einstmals Horace Andy, der auf „Blue Lines“ und „Protection“ sang. Callier ist ein Soul- und Jazz-Mann mit weicher Stimme und großem Herzen. Seine erste Karriere endete in den Siebzigern. Da wollte er nur noch ein „Ordinary Joe“ sein, so der Titel seines bekanntesten Hits. Caillier begann als Programmierer zu arbeiten. Aber der Rare-Groove-Experte und Radio-DJ Gilles Peterson grub ihn wieder aus. Für Callier könnte „Live With Me“ ein zweiter Durchbruch werden. So wie für Massive Attack das nächste Album. „Collected“ gibt einen Zwischenstand durch. Sie leben noch.

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