Kultur : Masterplan für die Museumsinsel

BERNHARD SCHULZ

Die Entwicklung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz habe "eine neue Wendung genommen", bilanzierte ihr Präsident, Klaus-Dieter Lehmann, erfreut die gestrige Sitzung des Stiftungsrates.Der Rat, der mit den 16 Bundesländern und dem Bund die Träger der Preußen-Stiftung umfaßt, traf eine Reihe gewichtiger Entscheidungen.Ihr Vorsitzender, Bundes-Staatsminister für kulturelle Angelegenheiten Michael Naumann, hob die "Übereinstimmung von Bund und Ländern" hervor.Zum einen wurde ein "Masterplan" für die Wiederherstellung und künftige Nutzung der Museumsinsel verabschiedet, zum anderen der Wechsel von Peter-Klaus Schuster aus München auf den Doppelstuhl des Generaldirektors der Staatlichen Museen und des Direktors der Nationalgalerie abgesegnet.Zudem wurde die Fortführung des geplanten Fotografiezentrums beschlossen, allerdings ohne Nennung eines Projektleiters.

Der Masterplan ist zweifellos eine der gewichtigsten Entscheidungen des Stiftungsrates überhaupt.Nachdem in den vergangenen Jahren übergreifende Planungen aus Furcht vor finanziellen Unwägbarkeiten gebremst worden waren, sieht der Masterplan nun den schrittweisen Wiederaufbau und die bauliche Verbindung aller Museen auf der "Insel" in einem Zeitraum von zehn Jahren vor.Das Volumen der Kosten bezifferte die Stiftung auf 1,8 Milliarden Mark, während Peter Radunski, der als Berliner Kultursenator traditionell den stellvertretenden Vorsitz in dem Gremium führt, von "zwei bis zweieinhalb Milliarden Mark" sprach.Dazu wird es erforderlich sein, den Berliner Beitrag zum Stiftungshaushalt von derzeit 70 Millionen Mark auf 105 Millionen Mark im Jahr anzuheben, und zwar bereits im kommenden Jahr.Allerdings will Radunski erwägen, die Baumaßnahmen im Wege einer public-private partnership durchführen und dergestalt vorfinanzieren zu lassen.

Der Masterplan sieht vor, die Museen - Altes Museen, Alte Nationalgalerie, Neues Museum, Pergamonmuseum und Bode-Museum - als Solitäre zu behandeln, aber unterirdisch zu verbinden und zu erschließen; Lehmann sprach von einer "archäologischen Promenade".Durch ein zentrales Eingangsgebäude, das auf dem Gelände des ehemaligen Packhofs zwischen Neuem Museum und Kupfergraben errichtet werden und alle Serviceeinrichtungen wie Kasse, Buchladen und dergleichen aufnehmen soll, gelangen die Besucher ins unterirdische Verteilergeschoß, das die teils "großzügig ausgebildeten" Sockelgeschosse der Museumsbauten nutzt und als Neubauten lediglich kürzere Tunnelstücke zwischen diesen erforderlich macht.Das nach dem bisherigen Planungsstand für diese Erschließungsfunktion vorgesehene, in Vorbereitung des Wiederaufbaus befindliche Neue Museum wird "von dieser Aufgabe entlastet".Oberirdische Verbindungen zwischen einzelenen Gebäuden, wie die einstige Brücke zwischen Neuem und Altem Museum, wird es nicht geben.

Zugleich bleiben die originalen Eingänge der einzelnen Gebäude erhalten, um den zielgerichteten Zugang zum jeweils gewüschten Haus zu ermöglichen, während insbesondere Touristen und Gruppen, die einen Gesamtrundgang wünschen, über das unterirdische Erschließungssystem Haus für Haus besichtigen.Immerhin wird mit mindestens vier Millionen Besuchern im Jahr gerechnet.Ferner sollen die Depots aus den Museen "herausgenommen" und am gegenüberliegenden Ufer des Kupfergrabens in einem neuzuerrichtenden Gebäudekomplex mit dem Namen "Museumshöfe" untergebracht werden.Das Grundstück, sicherte Naumann auf Nachfrage zu, werde der Bund ohne Anrechnung auf seine finanzielle Beteiligung an den Baumaßnahmen zur Verfügung stellen.Schließlich soll die Planung einmünden "in ein städtisches Konzept" für die Umgebung der Museumsinsel.

Erstellt wurde der Masterplan von David Chipperfield, im Ergebnis des 1993 begonnenen Wettbewerbs für den Wiederaufbau des Neuen Museums mit dieser Aufgabe betraut, Heinz Tesar, der die Herrichtung des Bode-Museums plant, sowie dem in Berlin als Erbauer der Gemäldegalerie am Kulturforum bestens eingeführten Büro Hilmer + Sattler, das die Sanierung des Alten Museums vorbereitet.Für das Pergemonmuseum soll in einem Wettbewerb noch ein vierter Architekt gefunden werden.

Zur Berufung Schusters betonte Lehmann ausdrücklich, dieser sei seine Wahl gewesen.Schuster selbst erläuterte, seine Rückkehr nach Berlin - wo er von 1988 bis zum vergangenen Jahr tätig war - an die Bedingung geknüpft zu haben, die Leitung der Generaldirektion mit der Leitung einer einzelnen Sammlung verbinden zu können.

In Zukunft sollen die Aufgaben zwischen Stiftungs-Präsident und Museums-Generaldirektor dergestalt aufgeteilt werden, daß "die administrativen Aufgaben aus der Generaldirektion herausgenommen und mit der generalverwaltung der Stiftung vereinigt" werden.Dies sichere "kurze Entscheidungswege".Die Aufgabe der Generaldirektion bestehe in der "Dienstleistungsfunktion für die Museen" und umfasse "vier Segmente": zum einen das Ausstellungs-know how, zweitens Information, Bildung und Marketing, drittens Baumaßnahmen und viertens Informationstechnik.Darin hätten Museen und Bibliotheken enormen Nachholbedarf: "Wenn wir Forschen und Ausstellen verbinden wollen, müssen wir uns moderner Kulturtechniken bedienen."

Im übrigen kündigte Naumann an, die Stiftung werde Kunstwerke, die sie wenngleich rechtmäßig, so doch aus einst jüdischem Eigentum besitze, "unabhängig von juristischen Enwendungen" an die ursprünglichen Eigentümer zurückgeben.Die Gesamtzahl derartiger Werke liege "unter zehn".Konkret geht es um zwei Kunstwerke, die eine nach Großbritannien emigrierte Eigentümerin zurückerhalten soll, wobei die Museen eines der beiden Werke käuflich erwerben wollen.

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