Matinee mit dem Duo Aust : Zwei sind keiner zu viel

Im Musikinstrumentenmuseum sollte das "Rheingold Trio" spielen. Stattdessen gab es eine klassische Matinee mit dem „Duo Aust“.

Tomasz Kurianowicz
Das "Rheingold Trio" mit Bettina Aust (v.l), Robert Aust und Lydia Pantzier.
Das "Rheingold Trio" mit Bettina Aust (v.l), Robert Aust und Lydia Pantzier. Am Sonntagabend im Musikinstrumentenmuseum wurde aus...Foto: Promo

Krankheitsbedingt ist aus dem Trio ein Duo geworden – in einer schweißtreibenden Nacht haben Bettina und Robert Aust ein alternatives Programm zusammengestellt, um das Publikum der sonntäglichen Matinee im Musikinstrumentenmuseum nicht zu enttäuschen. So wird aus dem „Rheingold Trio“ das „Duo Aust“, und niemand will sich beschweren, denn die beiden jungen Musiker liefern eine Performance ab, die sich wie ein gewaltiges Klanggewitter anfühlt.

Schon beim ersten Stück, einem Alterswerk von Rossini, dreht die 1988 geborene Klarinettistin Bettina Aust die Tempospule auf Maximum und düst durch das variationsreiche, keck komponierte Stück wie eine Pistenläuferin auf Ritalin. Ihr Partner, der 1985 geborene Pianist Robert Aust, behält sie während der Klang- Akrobatik fest im Blick und dämpft das Vorpreschen, wenn es brenzlig wird.

Bettina Aust verblüfft mit faszinierender Präzision, bei Leonard Bersteins früher Klarinettensonate etwa, in der gefühlt die Zweite Wiener Schule auf die „West Side Story“ trifft. Da vermengt sie rasantes Tempo mit glasklarem Klang – und einem saftigen Ton, der sich selbst bei den oktavierten Läufen und Trillern durchzusetzen vermag.

Beim Franzosen Jean Françaix (1912– 97) und seinem „Tema con variazioni“ kommt wiederum Robert Austs Taktgefühl zum Einsatz: Die schnell wechselnden Sätze von Largo bis Prestissimo weiß der Pianist stimmungsvoll aufzuladen, abzufedern, zu strecken oder wie bei einer Jazz-Suite in schräge Rhythmen zu verwandeln, so dass man als Zuhörer gleich tanzen will. Nicht nur er, sondern auch das Publikum und sein Umblätterer können sich auf den Stühlen kaum halten.

Nach der Pause kommt noch eine Entdeckung: Bettina und Robert Aust haben den fast vergessenen Künstler Norbert Burgmüller ins Programm geholt (1810– 36). Dessen Duo für Klarinette op. 15, das kurz vor seinem frühen Tod entstand, entpuppt sich als romantisch aufgeladenes Werk voller emotionaler Energie. Hier bekommt das Spiel der beiden Musiker eine sensible Dichte, die in der Klarinettensonate Nr. 1 von Johannes Brahms dann in ein gezähmtes Rauschen übergeht.

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