Kultur : Matthias Wegner beschreibt die wahre Welt des Elbadels

Caroline Fetscher

Alle reden von Berlin, aber wenigstens Herr Wegner nicht. Er ist Hamburger, geborener, und einer mit Leib und Seele. Mit Genauigkeit und Erzählfreude widmet er sich den "Hanseaten", den großen Familien der Pfeffersäcke und Bankiers, all den hansestädtischen Gestalten, die als Kamele durchs Nadelöhr wollen. Nur selten klappt das, bei Thomas Mann natürlich, und auch im Fall des Kunsthistorikers Aby Warburg, dem der Sprung aus dem reichen Elbadel in die Welt der kreativen, kritischen Geister gelingt.

Was ist das für eine seltsame Welt aus Dünkel und Backstein und Distanz, die sich in den Salons und Kontoren der Hansestädte entwickelt hat? Hier erfahren Sie es, von einem Autor obendrein, der mit Sprache umzugehen weiß, obschon er Daten und Details liebevoll archivarisch sichert. Ein hell geschriebenes Buch, das die dunklen Seiten, etwa die Frage der Symbiose mit den jüdischen Bürgern der feinen Städte, ebenso beleuchtet.

Die Hansestädte, zu denen einst übrigens auch Berlin zählte, sind ein anderes Land innerhalb Deutschlands. Etwas britisch, etwas dröge, hermetisch in Bezug auf die Herkunft aus bestimmten Stadtvierteln und Familien, eine Welt für sich, in der man seine Handelsbeute verstaut und noch immer dynastische Partien schließt, von Reeder zu Reeder, von Pelzhändler zu Pelzhändler. Rührend sind dann die Minderwertigkeitsgefühle, die die stolzen Bürger gelegentlich angesichts dem klassenlos wirkenden akademischen und kulturellen Rest der Welt heimsuchen. Dem Rest, wo Geschichte gemacht wird, nicht Geld.Mathias Wegner: Hanseaten. Von stolzen Bürgern und schönen Legenden. Siedler Verlag. Berlin. 464 Seiten, 115 Abbildungen. 59, 90 Mark

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