Kultur : Matthias Weischer

Ulrich Clewing

Unter den jungen deutschen Malerinnen und Malern, die in den letzten Jahren für so viel Furore gesorgt haben, ist er derjenige, der den Weg ins Hochpreissegment wohl am rasantesten zurückgelegt hat. Nun zeigt Gerd Harry Lybke acht neue Bilder von Matthias Weischer, Jahrgang 1973, und der Betrachter stellt fest: Der Mann entwickelt sich noch (Auguststraße 26, bis 13. Mai, Dienstag bis Sonnabend 11 – 13 Uhr, Eröffnung heute 17 – 21 Uhr). Und das ist keine schlechte Tendenz, wenn man so unglaublich erfolgreich ist. Weischer hätte weiter seine hermetischen, immer leicht klaustrophoben Innenräume malen können, die ihm im Austausch gegen dicke Bündel Geldscheine aus den Händen gerissen werden. In nicht allzu ferner Zukunft wäre er dann mächtig reich und todmüde.

Seine neuen Arbeiten jedoch sind unverkennbar, aber nicht unbedingt „typisch“ Weischer (30 000 – 170 000 Euro): Da ist weniger Düsternis und mehr Licht; die einzelnen Gemälde sind immer noch sehr auskunftsfreudig, was ihren Charakter als selbstreferentielles Konstrukt betrifft. Inzwischen schleicht sich sogar so etwas wie Ironie ins Bild. Eine kleinformatige „Revue“ mit kitschigen Muschel-Exzessen auf der Bühne oder das Museum, über dem gerade eine Art Morris Louis als Sonne aufgeht („Oberlicht“): Das hat den Witz und die Leichtigkeit, die man Weischer nach all seinen ungefegten Raumecken und Brett-vor-dem-Kopf-Zimmerwänden gar nicht mehr zugetraut hätte.

Aus dem stubenhockenden Ex-Studenten ist offenbar jemand geworden, der mittlerweile auch einmal das Fenster aufmacht, um frische Luft reinzulassen. Und: sich zu freuen.

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