• Maul- und Klauenseuche: "Viehtransporte sind zu billig" - NRW-Ministerin Höhn will Ferkel nicht weit reisen lassen

Kultur : Maul- und Klauenseuche: "Viehtransporte sind zu billig" - NRW-Ministerin Höhn will Ferkel nicht weit reisen lassen

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Bärbel Höhn (49) ist Landwirtschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen und Grünen-Politikerin.

Warum glauben Sie, dass die Maul- und Klauenseuche überwunden ist?

Ich sage nicht, dass sie überwunden ist, aber es gibt positive Tendenzen: Zum einen sinkt die Zahl der neuen Seuchenfälle in Großbritannien. Zweitens wird das Wetter wärmer - das Virus mag keine Wärme und verbreitet sich bei Kälte und Feuchtigkeit viel leichter. Hinzu kommt, dass die Rückreisewelle vom Osterurlaub jetzt zurückliegt. Die Inkubationszeit ist zum Beispiel bei Schweinen vorüber. Wir können also hoffen, dass es keine ungebetenen Mitbringsel der Urlauber in Form von Viren gegeben hat. Jetzt müssen wir wachsam bleiben.

Was können wir aus alledem lernen? Was muss sich ändern?

Der entscheidende Punkt ist: Wir müssen die Tiertransporte minimieren. Wir müssen Anreize für eine andere Landwirtschaftspolitik schaffen. Tiere sollten mehr in geschlossenen Systemen gehalten werden. Das Leben eines Schweines sollte nicht darin bestehen, dass es in den kurzen paar Monaten, die es lebt, über Tausende von Kilometern durch Europa transportiert wird. Es gibt da ja eine Arbeitsteilung: Die einen haben die Baby-Ferkel, die anderen die Ferkel, die dritten die Mastschweine und die vierten karren sie zu einem weit entfernten Schlachthof. Wir in NRW belohnen Bauern, die ihre Tiere in einem geschlossenen System halten, damit, dass sie weniger in die Tierseuchenkasse zahlen müssen.

Bundesweit gibt es solche Anreize nicht?

Unser Modell ist ja nur eine Möglichkeit, man kann sich auch andere ausdenken. Was man versuchen muss, ist einfach, durch Anreize die geschlossenen Systeme nach vorne zu bringen. Das hieße, dass möglichst viele Tiere ihr Leben lang auf einem Hof blieben und ihn erst verlassen, wenn sie zum Schlachthof abtransportiert werden. Und warum müssen Schlachtviehtransporte länger als vier Stunden dauern? Bei längeren Transporten müssen wir häufigere Pausen mit Abladen der Tiere vorschreiben. Viehtransporte sind zu billig, so rechnet sich diese Art der unerwünschten Landwirtschaft.

Hatte Ihre Kollegin, Bundesumweltministerin Renate Künast, doch Recht, als sie gegen die Impfaktion aufgetreten ist?

Wir müssen zu einer anderen Impfpolitik auf EU-Ebene kommen, das ist ganz wichtig. Auch wenn wir von diesem Maul- und Klauenseuchenzug jetzt verschont bleiben sollten, was ja noch nicht sicher ist, müssen wir einfach Vorsorge treffen für das nächste Mal. Ich habe in den nicht einmal sechs Jahren, in denen ich jetzt Landwirtschaftsministerin bin, drei gravierende Seuchenzüge erlebt, zweimal die Schweinepest und jetzt MKS. Wir können nicht davon ausgehen, dass es das letzte Mal war.

Frau Künast tut sich schwer, die Agrarwende umzusetzen. Was raten Sie ihr, besonders nach Ihren Erfahrungen mit Brüssel und den Bauernverbänden?

Ich kann ihr nur raten, weiter so tough zu sein, beherzt zu sein, nicht nachzulassen. Sie hat es mit einer starken Lobby zu tun. Man hat in den letzten Wochen gemerkt, dass der Widerstand wächst, dass die alten Ideen sich wieder formieren. Sie wird noch eine Menge Energie brauchen.

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