Kultur : Maulheldenfestival im Berliner Tempodrom: Ebi und Renate sind Schuld

Ulrich Amling

"Schön, dass wir jetzt unser eigenes Pentagon haben", ruft Fil und rückt sich seinen Cowboyhut zurecht. Da zischt ihm ein noch besserer Vergleich fürs neue Tempodrom von der Zunge. "Sieht ein bisschen aus wie ein komischer Hut. Und mit komischen Hüten ist das wie mit komischen Brillen: Die sind nicht wirklich komisch." Einem, der im Märkischen Viertel aufgewachsen ist, glaubt man das. Auch die Feuerwehrmänner, die die verhexten Treppen der großen Arena hochstolpern, werden Fil fluchend zustimmen. Trotzdem ist gut Lachen am fünften Abend der "Maulhelden". Ob der bleiche Organistor Arnulf Rating noch registrieren konnte, das das gewaltige Sitzplatz-Angebot auf große Nachfrage stieß? Mit dem Weizen im Plastikbecher an alte Freiluft-Zeiten erinnert, balancierten Scharen jener Generation durch die Ränge, die Jess Jochimsen dafür verantwortlich macht, dass er jetzt zu den Spaßwählern gehört. Die 68er sind schuld, die waren ja gar keine Eltern, immer nur Eberhard und Renate. Seine Jugend fasst Jochimsen in einem Dilemma zusammen: "Antiautoritär kochen - und dann aufessen müssen." Freundlich arbeitet der Münchner seine Pointen ab, so eloquent, dass er der Lederwesten-Fraktion als Milchzahn gilt.

In diesen Verdacht will Claudius Hagemeister im stickigen Studio auf keinen Fall geraten: Er skandiert seine literarischen Werke, komprimierte Romane benannt, humorfrei ins Dunkel und träumt von Akkuschrauberattentaten. Flucht vor der Baumarkt-Prosa - zu einer, die wirklich was kann: Rebecca Carrington, Sängerin und Cellistin, zieht den musikalischen Erfolg suchend um die Welt. Doch verpatzte Vorspiele pflastern ihren Weg. Eine kraftvolle Virtuosin richtig falscher Töne. Ein Schlussakkord mit Nachklang.

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