Max Herre : Alte Liebe

Old School-Hip-Hop plus Neo Soul: Der Berlin Musiker Max Herre und sein drittes Solo-Album „Hallo Welt!“.

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Freund des Vinyls. Musiker Max Herre legt eine Single auf. Foto: Ronald Dick/Universal
Freund des Vinyls. Musiker Max Herre legt eine Single auf. Foto: Ronald Dick/Universal

Ständig haben ihn die Fans gelöchert: Warum rappst du nicht mehr? Komm, rapp doch mal wieder! Jetzt können sie damit aufhören, denn Max Herre rappt tatsächlich wieder. Aber das „heißt nicht, dass ich nicht mehr singe“, stellt er im Song „Kahedi Dub“ klar, um später auf „Rap ist“ davon zu schwärmen, dass sich seine alte Liebe für den Sprechgesang wieder wie neu anfühlt. So wie 1999, als er mit der Hip-Hop-Formation Freundeskreis und deren Album „Esperanto“ gerade auf seinen Karrierehöhepunkt zusteuerte.

An diese Zeit knüpft der Stuttgarter Wahlberliner jetzt mit seinem dritten Solo-Album „Hallo Welt!“ auch inhaltlich an und schlägt wie damals neben persönlichen immer wieder politische Töne an. Programmatisch ist der Titel „Aufruhr (Freedom Time)“, in dem der 39-Jährige einen Bogen vom ägyptischen Tahrir- Platz zum griechischen Syntagma-Platz, vom Arabischen Frühling zur Euro-Krise schlägt. „Wo die Zukunft nicht verschütt geht unter Schuldenbergen, die sie niemals schultern werden, sondern nur vererben“, rappt Herre, während seine Gastsänger Patrice und Fetsum im Refrain auf Englisch von der Freiheit singen. Das gibt dem Stück eine soulige, entspannte Aura, die auch den Rest der Platte dominiert. Verstärkt durch eine beeindruckende Riege von Gaststars gelingen Max Herre einige schöne Radio-Pop-Songs wie „Wolke 7“, zu dem Philipp Poisel mit seinem warmen Bariton eine Packung Melancholie beisteuert oder „Fühlt sich wie fliegen an“, auf dem der Stuttgarter Shootingstar Cro gute Laune verbreitet.

Die „Hallo Welt!“-Mischung aus Soul und Old-School-Hip-Hop passt weit besser zu Max Herre als der Singer-Songwriter-Sound seines letzten Albums „Ein Geschenkter Tag“. Stets präsent ist seine Verehrung für Vorbilder wie Al Green, Curtis Mayfield oder Gil Scott Heron. Verstärkt wird dieser Eindruck durch zwei Gast-Auftritte des amerikanischen Neo-Soul-Stars Aloe Blacc. So fügt sich die von ihm gecroonte Titel-Zeile des Billy-Preston-Klassikers „You Are So Beautiful“ geschmeidig in die von tackernden und stolpernden Beats begleitete Interpretation des Songs. Dass Liebeslieder weiterhin eine seiner Stärken sind, beweist Udo-Lindenberg- Fan Max Herre noch mehrere Male. Vielleicht hat es auch ein bisschen geholfen, dass seine alten Liebe Joy Denalane wieder an seiner Seite ist.

„Hallo Welt!“ erscheint bei Nesola/Universal, Konzert: 1.9., Ifa Sommergarten

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