Max Mara : Damenmode - "Made in Italy"

Die Kuratorin der Ausstellung "COATS! Max Mara - 55 Jahre Mode aus Italien", Dr. Adelheid Rasche, spricht im Interview über exklusive Designerstücke aus dem Archiv des traditionsreichen Modehauses.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit der Staatlichen Museen zu Berlin und dem Traditionsunternehmen Max Mara?



Die Zusammenarbeit mit Max Mara kam für beide Seiten zur richtigen Zeit. Das Unternehmen bezog neue Räume, und ein umfangreicher Archivbestand sollte katalogisiert werden, darunter rund 15.000 Kleidungsstücke. Außerdem sollte ein großes Vintage-Archiv mit Kleidern aus unterschiedlichsten Epochen, das der Inspiration der Designer dient, besser zugänglich sein. Die Staatlichen Museen zu Berlin bieten mit dem Kulturforum den Ort, an dem eine solche Ausstellung einen angemessenen Platz findet. Die hier angesiedelte Lipperheidesche Kostümbibliothek in der Kunstbibliothek und das Kunstgewerbemuseum widmen sich seit Jahren erfolgreich dem Thema Mode.

Hat Max Mara den Damenmantel salonfähig gemacht?

Max Mara stellt seit fünf Jahrzehnten Damenmäntel her wie kein zweites Modehaus in Italien. Wir haben uns daher entschlossen, den Mantel - die Ikone von Max Mara - quasi als roten Faden für die Ausstellung zu nutzen. Das Ungewöhnliche daran ist, dass wir uns damit intensiv einem Kleidungsstück widmen, das sonst eher selten im Mittelpunkt steht. Genau hier liegt der innovative Ansatz: die textile Firmengeschichte von Max Mara in einem neuen Ausstellungsformat zu präsentieren. Wir bieten dem Besucher eine spannende Reise durch die italienische Mode des Prêt à porter.

"Coats! Eine kleine Geschichte des Damenmantels" ist der Titel eines Vortrags, den Sie im Januar flankierend zur Ausstellung halten. Gäbe es auch über den Herrenmantel eine kleine Geschichte zu erzählen?

Die kleine Geschichte des Damenmantels wäre ohne die große Geschichte des Herrenmantels nicht denkbar, denn die Herren tragen schon viel länger Mäntel als die Damen. Der Grund liegt in der Kostümgeschichte und der kulturellen Entwicklung der Kleidergewohnheiten. Wenn wir daran denken, wie sich die Damen seit der Renaissance - also seit wir von Mode sprechen - kleiden, dann wissen wir, dass ihre Kleidung sehr ausladende Silhouetten hatte. Über diesen Kleidern konnte man keinen Mantel tragen, schon aus optischen Gründen. Erst in der Epoche des Empire zu den hochgegürteten, sehr schmal geschnittenen Prinzesskleidern, also zum "Luisenkleid", wie man in Berlin sagen würde, konnte man erstmals einen Mantel komibinieren. Davor nahm die Dame eher einen Schal, eine Stola, ein Cape oder einen Schulterumhang - also verschiedene Arten schulterbedeckender Oberbekleidung. Bei den Herren hat sich der Mantel viel früher entwickelt, spätestens seit dem 19. Jahrhundert ist seine Geschichte eng mit der englischen, eher konservativen und klassischen Herrenmode verbunden. Der Damenmantel erreichte Ende des 19. Jahrhunderts seine erste eigenständige Richtung und kam im 20. Jahrhundert zur vollen Blüte, mit einer ganzen Bandbreite von modischen Formen.

Das Gespräch über Herrenmode ist wieder en vogue. Eine Vielzahl von Magazinen berichtet über Trends in der Herrenkleidung. Wie ist Ihre Einschätzung?

Diese Beobachtung würde ich teilen. Bis in das 18. Jahrhundert, als die Herren die Welt regierten und prunkvolle Kleider trugen, war die Herrenmode in jedem Fall ein wichtiges Gesprächsthema. Die meisten Repräsentanten des feudalen Systems waren männliche Herrscher, die ihren Hof auch über Kleidung zu repräsentieren verstanden, wie etwa August der Starke in Sachsen oder Ludwig XIV. in Versailles. Mit dem späteren Siegeszug der englischen Mode brach das graue Understatement aus, das bis heute prägend ist. Andererseits leben wir jetzt in einer Zeit, in der der Rückblick auf das Vergangene wichtig ist und viele Designer Historisches mit Heutigem kombinieren. Damit kommt natürlich auch die Männermode wieder stärker ins Bewusstsein. Und das finde ich sehr begrüßenswert!

Welche Designer haben für Max Mara gearbeitet?

Für das Modeunternehmen Max Mara haben große Namen des Modedesigns gearbeitet, darunter Karl Lagerfeld oder Jean Charles de Castelbajac in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre, letzterer entwarf für die junge Kollektion "Sportmax". Das waren Prêt-à-Porter Modelle, die frisch und frech waren. In den achtziger Jahren begann die wunderbare Zusammenarbeit mit Guy Paulin und mit Anne Marie Beretta. Aber für Max Mara steht nie der einzelne Designer im Vordergrund, der Starruhm genießt, sondern im Zentrum steht das Team. Von der Zusammenarbeit zwischen Designer und Entwurfsteam profitieren alle Beteiligten.

Bekannte Models, wie Carla Bruni, haben Mäntel von Max Mara getragen.

Schon seit den sechtziger Jahren versteht es Max Mara, seine Kollektionen auf internationalem Parkett zu präsentieren. Außerdem wurde früh auf eine ansprechende, aussagekräftige Bildsprache gesetzt. Auch die Bildkommunikation der späteren Werbekampagnen mit Linda Evangelista oder Carla Bruni ist fantastisch. Heute gibt es bei Max Mara einen reichen Fundus an Modefotografie und Werbematerial aus allen Jahrzehnten bis in die Gegenwart.

Was unterscheidet deutsche und italienische Mode? Geht es dabei nur um Stilfragen?

Für mich scheint der deutlichste Unterschied zwischen italienischer und deutscher Mode darin zu liegen, dass in Italien bis heute in unvergleichlicher Breite noch handwerklich hochstehende Qualitätsarbeit geleistet wird und zwar in dem Sinne, dass dort das Modehandwerk von sehr gut ausgebildeten Fachkräften ausgeführt wird. Das ist auch die Stärke der italienischen Modeunternehmen: Sie funktionieren wie kleine, familiäre Handwerksbetriebe. Auch wenn sie zu Großunternehmen heranwachsen, verlieren sie diese Qualität in der Fertigung nicht. Denken Sie an die qualitätsvollen Wollstoffe, die in Italien gewebt werden! Die Tradition des Handwerks ist dort noch selbstverständlicher vertreten als in Deutschland und wird vielleicht auch mit mehr Begeisterung betrieben. Denken Sie an italienische Schuhe! Hier sehe ich das Geheimnis des "Made in Italy".

Was halten Sie von Berlin als Modestadt?

Berlin war immer eine wichtige Modemetropole, vor allem seit dem 19. Jahrhundert. Was die Produktion betrifft, so wurden hier in großer Menge Uniformen in Serienfertigung hergestellt, denn sie mussten in unterschiedlichen Größen verfügbar sein. Dort liegt die Basis für die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sprungartig entwickelte Berliner Konfektion, modisch inspiriert von Paris, fertigungstechnisch von der Uniformschneiderei. Besonders beim Mantelschnitt ist das ganz klar zu erkennen. Mäntel zeigten sich ab den 1920er Jahren als Varianten vom einstigen Reitrock der Kavallerie oder als Staubmantel, den man tatsächlich trug, weil die Straßen in dieser Zeit sehr staubig waren und man seine Kleidung schützen wollte. Gerade für die Frauen entstanden nun praktische Mäntel mit eher schlichten Schnitten. Die Berliner Modeindustrie war bis 1933 sehr bedeutend: Berlin war der größte und wichtigste Produktions- und Handelsstandort in Deutschland für Konfektionskleidung. In Berlin war die größte Modemesse Deutschlands angesiedelt: die "Berliner Durchreise". Ich finde, dieser Name passt sehr gut zu Berlin, da die Stadt bis heute Mobilität symbolisiert. Die Berliner Kleidungstradition wurde allerdings durch den Nationalsozialismus radikal zerstört, die Berliner Konfektion ging für immer unter. In den fünfziger und sechziger Jahren gab es zwar eine Wiederbelebung mit wichtigen Berliner Couture-Häusern wie beispielsweise Gehringer & Glupp oder Uli Richter, die frühere Bedeutung als Modestadt erlangte Berlin jedoch nie mehr.

Interessieren Sie sich für junges Design - "Made in Berlin"?

Berlin hat in diesen Tagen wieder eine sehr lebendige Modeszene, diese Tendenz ist wunderbar und sehr wichtig. Die Berliner Designer brauchen sich nicht zu verstecken. Im Gegenteil, sie sind - wie beispielsweise "Sisi Wasabi" oder auch "Herz & Stöhr" - weltweit gefragt. Ich finde es auch nicht falsch, dass Berlin jetzt mit der Modemesse "Premium" vor allem einen starken Anbieter im exklusiven Sektor hat und die "Bread & Butter" vom Standort Barcelona aus die Streetwear bedienen wird. Denn "Made in Berlin" - das sind für mich Premiumprodukte. Spannend ist die Tatsache, dass viele unserer Designer versuchen, das historische Erbe in ihr Design einzubeziehen. Wirtschaftlich wird Berlin jedoch im Modebereich nie wieder so bedeutend werden, wie es das einst war. Das liegt ganz klar an den weltweiten Entwicklungen. Kaum ein Label kann heute darauf verzichten, teilweise in Osteuropa oder Asien produzieren zu lassen. In Deutschland werden aufgrund des Kostendrucks nie wieder so viele Arbeitsplätze wie im späten 19. Jahrhundert entstehen, als ein Großteil der Bevölkerung Berlins in der Bekleidungsbranche arbeitete.

Im Februar wird Christian Dior im Mittelpunkt einer Ausstellung in Ihrem Hause stehen.

Ab dem 13. Februar 2007 zeigen wir in der Kunstbibliothek die Ausstellung "Christian Dior und Deutschland", mit einzigartiger Haute Couture Mode und opulentem Dior-Modeschmuck von 1947 bis 1957. Für drei Wochen, zwischen 13 Februar und 4. März, kann der Besucher am Kulturforum zugleich Max Mara und Christian Dior sehen. Dazu sollte man wissen, dass der Firmengründer von Max Mara ein großer Verehrer Diors war. In den fünfziger Jahren besuchte er die Pariser Dior-Schauen und ließ sich vom sogenannten "New Look" inspirieren. Der Katalog zur Ausstellung erscheint bei Skira (Herausgeber: Dr. Adelheid Rasche). Er enthält Beiträge von Modekritikern wie Colin McDowell, Marco Belpoliti und Enrica Morini und ist im ausgewählten Buchhandel weltweit erhältlich. (Das Interview führte Diana Maier)

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