Max-Ophüls-Filmfest eröffnet : Geißendörfer kritisiert Filmnachwuchs

In Saarbrücken trifft sich wieder der Filmnachwuchs: Zur 36. Auflage des Max-Ophüls-Filmfests kommen Nachwuchskünstler und Branchenvertreter an die Saar. Sie müssen sich auch Kritik von „alten Hasen“ gefallen lassen.

Hans W. Geißendörfer nimmt von Festivalleiterin Gabrielle Bandel den Ehrenpreis entgegen.
Hans W. Geißendörfer nimmt von Festivalleiterin Gabrielle Bandel den Ehrenpreis entgegen.Foto: Oliver Dietze/dpa

Zum Auftakt des Filmfests „Max Ophüls Preis“ hat der Vater der „Lindenstraße“, Hans W. Geißendörfer (73), die Haltung des Regisseurs- und Drehbuchautorennachwuchs kritisiert. Ihn enttäusche an den jungen Leuten, „dass sie sehr anpassungsfähig sind - sie gehen schnell Kompromisse ein, um ihre Finanzierung zu bekommen. Das war bei uns anders“, sagte der Regisseur und Produzent der „Saarbrücker Zeitung“ vor Beginn des Festivals am Montagabend.
Geißendörfer erhält für seine Verdienste um den deutschen Filmnachwuchs in diesem Jahr den Ehrenpreis des Festivals.
Der „Max Ophüls Preis“ gilt als Karrieresprungbrett für den deutschsprachigen Nachwuchsfilm. Bei der 36. Auflage des Filmfestivals werden bis Sonntag 158 Filme in den Saarbrücker Kinos gezeigt. Davon laufen 65 im Wettbewerb. Die mit mehr als 100 000 Euro dotierten 15 Preise werden am Samstag vergeben. Die Veranstalter erwarten insgesamt 40 000 Zuschauer.

Hans W. Geißendörfer vermisst Experimente

Zum Auftakt stand am Montagabend die Uraufführung des Thrillers „Die Räuber“ auf dem Programm. In dem „modernen Film Noir“, einer Adaption des gleichnamigen Romans von Friedrich Schiller, ist der 2014 verstorbene Schauspieler Maximilian Schell in seiner letzten Rolle zu sehen. In der deutsch-luxemburgisch-belgischen Koproduktion erzählen die Regisseure Frank Hoffmann und Paul Cruchten einen Krimi rund um eine Bankerfamilie.
Geißendörfer kritisierte in dem Interview: „Den jungen Leuten heute kommt es vor allem darauf an, einen Film zu machen - egal, ob Komödie oder Horrorfilm. Das Gewagte, das Experimentelle gibt es zwar noch, aber es wird immer weniger versucht“, sagte er.

Respekt zollte er dem Schauspieler und Regisseur Til Schweiger, der derzeit mit seinem Film „Honig im Kopf“ zu Thema Demenz Erfolge feiert. Er verstehe die Kritik nicht. „Kunst und Kommerz gleichberechtigt zu beurteilen, fällt in Deutschland besonders schwer - anders als im Rest von Europa“, sagte Geißendörfer. Schweiger habe einen Riecher für Stoffe, die ankommen. (dpa)

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