Maxim Gorki Theater : Katja und die Männer

Sie macht beim Sex Rechenaufgaben und bekommt keinen Orgasmus - so geht es Josefine (Katja Riemann) im Stück "Sex Stadt Beziehungen" am Berliner Maxim Gorki Theater.

Katja Riemann
Katja Riemann: Kommt auch auf der Bühne gut an.Foto: ddp

BerlinAm Mittwochabend feierte das Stück  "Sex Stadt Beziehungen" von Amina Gusner und Johannes Zacher seine Uraufführung. Es geht um eine "Dreiecks- Beziehung" von zwei Männern mit einer Frau, die Angst vor dem Alleinsein haben und sich vor allem davor fürchten, "dass das Leben spurlos an einem vorüber geht". Das versuchen sie vor allem mit Sex zu bekämpfen. Dabei versucht die Frau in einer Bar einen Mann zu befriedigen, während der andere auf dem Barhocker masturbiert. Das war einem Zuschauer dann doch zu viel. So gab es zwar auch lautes Türenknallen eines aus dem Saal flüchtenden Theaterbesuchers, am Schluss aber auch viel Beifall für den kurzweiligen, wenn auch sehr redseligen Abend voller Tristesse.

Am Ende also eine strahlende und sichtlich erleichterte Riemann, die in diesen Tagen auch ihr Privatleben in den Boulevard-Schlagzeilen wiederfindet, und Anerkennung für ein glückliches Team vom Premierenpublikum, darunter auch der Dramatiker Rolf Hochhuth. "Inspiriert" wurde das Stück durch Texte der Autorin Sibylle Berg ("Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot"), die auch als Pop-Literatin oder als "Fachfrau fürs Zynische" bezeichnet wird und vor allem die Melancholie im ewigen Verlangen nach Liebe im Alltag beschreibt.

Ein Thema, das Riemann offenbar anspricht und umtreibt. "Irgendwann hat man doch immer wieder mal mit den Themen Sex oder Beziehung oder Stadt zu tun... warum ist es so laut in der Stadt und manchmal viel zu einsam und die Stille dröhnt", schreibt die Schauspielerin auf ihrer Website, auf der sie sich gleichzeitig auch zum Thema Irak-Krieg und dem G8-Gipfel in Heiligendamm äußert ("zum Kotzen die Prügeleien") und außerdem ein Gedicht von Paul Celan zitiert ("Was geschah? Der Stein trat aus dem Berge").

Die philosophischen Tiraden über das Leben an sich und die Unmöglichkeit von glücklichen Partnerbeziehungen werden in einer Nachtbar mit kühlem und strengem Ambiente (das Bühnenbild könnte von Mondrian stammen) unter wabernden Nebelschwaden aus der Kulisse zum Auftakt und Finale abgehandelt. Dazwischen gibt es Musik von Riemann als Barpianistin gespielt oder von Peter, dem aufgedrehten Draufgänger und Aufschneider (Werner Eng) an der Gitarre. Tom (Peter René Lüdicke) ist das Weichei, der sich selbst als großen Langweiler beschimpft. Und alle vereint das Motto "Ich habe keine Ahnung von der Liebe, aber ich will's versuchen."

Riemann feierte zuletzt im März mit Gusner und Lüdicke erfolgreiche Premiere mit Ingmar Bergmans "Szenen einer Ehe" in der Komödie am Kurfürstendamm in Berlin. Mit dem selben Team war sie zuvor auch mit Ibsens "Hedda Gabler" im Potsdamer Hans-Otto-Theater zu sehen. Die 43-jährige Schauspielerin ("Der bewegte Mann") scheint sich vom Film- und Fernsehbetrieb immer mehr zurückzuziehen und sich für ihre Arbeit auf der Bühne zu engagieren. (mit dpa)


 

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