Kultur : Maxim Gorki Theater: Wir gründen eine Familie

luzi

Neue Helden für das Berliner Theater: Mit "Die Heldin von Potsdam" von Theresia Walser geht Volker Hesse, der neue Intendant des Maxim Gorki Theaters, im September an den Start - Hesse wird selbst Regie führen, die Wahl fiel auf eine Autorin, mit der er bereits erfolgreich zusammengearbeitet hat. Bei der gestrigen Pressekonferenz stellte Hesse, von 1993 bis 1999 Leiter des Zürcher Theaters am Neumarkt, seine neue Mannschaft vor und erläuterte seine Pläne für den konzeptionellen Neubeginn. Eine verdiente Heldin saß da vergnügt mitten unter den Journalisten: Katharina Thalbach wird die Walser-Titelheldin spielen und auch weiterhin am Haus inszenieren. Hesse wird mit der Urberlinerin sogar eine recht innige Verbindung eingehen: eine "Familie Gorki" soll gegründet werden - die wird dann in Form einer Seifenoper auf aktuelle Ereignisse reagieren, Politik aus der Sicht des Souterrains präsentieren. Mit Unterstützung von Theatermutter Thalbach präsentierte sich Hesse sympathisch als Prinzipal, der neue Verbindungen stiftet.

Das Hauptaugenmerk wird künftig auf der Gegenwartsdramatik liegen: Ungewöhnlich viele Stückaufträge wurden vergeben. Seinen Wechsel an die Spree kommentierte Hesse distanziert und engagiert zugleich: Berlin sei zwar keineswegs behaglich, die politische Perspektive sogar abenteuerlich zu nennen. Er empfinde Berlin aber als eine Stadt, die viele Widersprüche und Brüche erzeuge, in der man also bewegende Geschichten erzählen könne. So werden sich die in Auftrag gegebenen Stücke am "Lebensraum" Berlin produktiv reiben. Als "kleines Theater in der Mitte Berlins" spüre das Gorki auch den "Hof der Macht". Darauf reagiert das Projekt "Power": eine Bibel der Macht, zugleich ein Power-Training zusammen mit dem Publikum.

Auch eine Schweiz-Schiene ist eingezogen. Bei Thomas Hürlimann und Urs Widmer hat Hesse Stücke in Auftrag gegeben. Zur Riege der Jungautoren, die Hesse an das Haus binden will, gehören Julia Franck, die ihr erstes Stück für das Gorki schreibt, sowie Klaus Chatten, Thomas Jonigk und Moritz Rinke. Die russische Dramatik, der sich auch Hesse verpflichtet fühlt, ist durch Stücke von Wladimir Sorokin und Wenedikt Jerofejew vertreten. Mit überwiegend jungen Autoren und einem zur Hälfte ausgetauschten Ensemble will Volker Hesse den Neubeginn proben: neue Helden für das Berliner Theater?

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