Maximilian Schell zum 80. : Der Klang der Geschichte

Er hat in über 100 Filmen mitgespielt, gefeierte Dokumentarfilme gedreht und einen Oscar bekommen. Am Donnerstag wird Maximilian Schell 80. "Ich bin Student, das bleibt auch so", sagte er vor zwei Jahren.

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Ein Weltstar. Maximilian Schell. Foto: dpa
Ein Weltstar. Maximilian Schell. Foto: dpaFoto: dpa

Die Vergangenheit zum Sprechen bringen, das ist seine Spezialität. Für seinen Dokumentarfilm „Marlene“ hat Maximilian Schell die Dietrich 1984 in der selbstgewählten Einzelhaft ihres Pariser Apartments besucht. Er durfte mit ihr reden, sie aber nicht filmen. Ihre Stimme raunt geisterhaft, wenn die Diva noch einmal Stationen ihrer Karriere beschwört und Nachfragen zurückweist: „Das habe ich doch alles in meinem Buch geschrieben.“ Einen noch intimeren Film hat der Regisseur im Jahr 2003 seiner Schwester Maria Schell gewidmet, die vier Jahre älter war als er. Sie litt an Demenz, „Meine Schwester Maria“ zeigt, wie die Schauspielerin auf ihrer Alm in Kärnten sitzt, im Fernseher ihre Kinoerfolge aus den Nachkriegsjahren schaut und dabei ihr berühmtes „Seelchen“-Lächeln lächelt. „Sie hatte den Kontakt zur Welt verloren“, sagt der Bruder. „Sie ging dann in eine andere Welt, in ein Zwischenreich.“

Maximilian Schell hatte Marlene Dietrich bei den Dreharbeiten zu „Das Urteil von Nürnberg“ (1961) kennengelernt, Stanley Kramers Gerichtsdrama über den Prozess gegen die NS-Menschenrechtsverbrecher. Schell spielte einen Verteidiger, einen jugendlichen Idealisten zwischen lauter versteinerten alten Männern, der im Schlussplädoyer mit wehender Haartolle das Maß der Verstrickung zu relativieren versucht: „Deutschland allein ist nicht schuldig.“ Zum Staraufgebot des Films gehörten Spencer Tracy, Burt Lancaster, Richard Widmark und Montgomery Clift – aber den Oscar bekam Schell, als erster deutschsprachiger Schauspieler nach Emil Jannings (1929) und vor Christoph Waltz (2010).

Maximilian Schell wurde am 8. Dezember 1930 als Sohn eines Schriftstellers und einer Schauspielerin in Wien geboren, wuchs aber in der Schweiz auf. „Ich bin kein Erfolgsmensch und kein Bühnenmensch. Ich bin Student, das bleibt auch so“, hat er noch im Jahr 2008 gesagt. Er debütierte 1952 am Basler Stadttheater, landete an den Münchner Kammerspielen und wurde von Gustav Gründgens ans Hamburger Schauspielhaus geholt. Im deutschen Nachkriegskino trat er in Filmen wie „Kinder, Mütter und ein General“ oder „Der 20. Juli“ in Uniformrollen auf. Auch seine erste Arbeit in Hollywood war ein Kriegsfilm: „Die jungen Löwen“ (1958) brachte Schell mit Marlon Brando und Dean Martin zusammen. Es folgten Erfolge wie „Topkapi“, „Der Fall Odessa“, „Steiner – Das Eiserne Kreuz“ und „Die Brücke von Arnheim“.

Schell nennt sich einen „Rebell“ – so heißt auch ein Roman von ihm. Seine Filmografie umfasst mehr als hundert Titel, er hat Peter den Großen, Lenin, Albert Einstein, Musketiere und Pharaonen gespielt. In der ZDF-Dokumentarreihe „Terra X“ führt er die Zuschauer als kundiger Geschichtsplauderer durch die Weltreiche von Kalifen, Shogunen und Cäsaren. „Ich bin ständig in Beschäftigung“, sagt Schell. „Alles, was mir am Herzen liegt, kann ich umsetzen.“ Gerade arbeitet er an seiner Autobiografie, die „Ich fliege über dunkle Täler“ heißen soll. Und er sucht einen Produzenten für einen Film über Beethoven und Napoleon. Seinen 80. Geburtstag feiert Maximilian Schell in schönster Weltabgewandtheit, auf seinem Berghof in Kärnten. Christian Schröder

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