• Mazedonien: Keine Kräfte für die Krise. Warum die deutsche Armee kaum noch reagieren kann

Kultur : Mazedonien: Keine Kräfte für die Krise. Warum die deutsche Armee kaum noch reagieren kann

bib

Ausnahmsweise sind sich Opposition und Fachleute in der Regierung einig: Einen weiteren Auslandseinsatz in Mazedonien könnte die Bundeswehr kaum leisten. Schon die laufenden Einsätze in Bosnien und im Kosovo belasten die Armee bis an die Kapazitätsgrenze, in Teilen deutlich darüber hinaus. Viele Spezialisten wie die Heeresflieger mit ihren Hubschraubern kommen kaum noch nach Hause.

Den Kern des Problems hat ein Spitzen-Offizier der Hardthöhe mit dem Fachbegriff "Durchhaltefähigkeit" beschrieben. Am einem 30 bis 40 Tage dauernden Einsatz in Mazedonien mit dem Auftrag, im Rahmen eines Friedensabkommens die freiwillige Waffenabgabe albanischer Rebellen zu überwachen, könnte sich auch die Bundeswehr beteiligen. Obwohl offiziell niemand Zahlen nennt, gilt intern als ausgemacht, dass Deutschland im Falle eines Falles ein Sechstel der Nato-Truppe stellen würde, also etwa 500 Mann.

Die gibt es auch: Die Fallschirmjäger der Luftlandebrigade 26 im Saarland verfügen über Ausrüstung und Ausbildung für solche Aufträge. Als unlängst die Ausgangsbasis der deutschen Kosovo-Truppe im mazedonischen Tetovo ins Zentrum der Gefechte zwischen Albanern und serbischen Mazedoniern zu geraten drohte, standen die Saarländer schon bereit.

Das Problem ist nur: Niemand glaubt, dass es bei dem von der Nato projektierten Kurztripp bleiben würde. Ein dritter regelrechter Friedenseinsatz aber würde die Bundeswehr nach Einschätzung ihrer Chef-Planer überfordern: Es fehlt dafür nicht nur an der Logistik, es fehlt an Personal. Weit und breit ist keine Einheit mit Krisenreaktionsstandard mehr in Sicht, die die Saarländer nach der üblichen Stationierungszeit ablösen könnte. Bliebe nur, Soldaten aus Bosnien oder dem Kosovo abzuziehen. Denn: Einheiten auf den Balkan zu schicken, die nicht für Krisenreaktionseinsätze bestimmt sind, schließen Bundeswehr- wie politische Führung vollends aus. Niemand mag die Verantwortung dafür tragen, wenn ein solcher Soldat im Einsatz zu Schaden käme.

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