• Mazedonien: Nur noch eine Randnotiz. Scharpings letzter Fehltritt wurde von den Terroranschlägen überlagert

Kultur : Mazedonien: Nur noch eine Randnotiz. Scharpings letzter Fehltritt wurde von den Terroranschlägen überlagert

Rainer Woratschka

Von "fairer Lastenteilung" spricht Deutschlands Verteidigungsminister. Und setzt noch eins drauf: "Es bekommt Deutschland auch gut", so Rudolf Scharping im ARD-Morgenmagazin, wenn es in der Nato-Schutztruppe in Mazedonien nun die Führungsrolle übernehme. Bei Details hält sich der Minister zurück; die These, dass es bei der Rollenverteilung darum gehe, britische Truppen für Afghanistan freizusetzen, sei "haltlose Spekulation".

Scharping, Mazedonien, die Briten - war da nicht was? Zur Erinnerung: Vor gerade mal zwei Wochen musste sich der Minister im Verteidigungsausschuss für einen angeblichen Geheimnisverrat rechtfertigen. Gegen den Rat der militärisch Verantwortlichen, so der Vorwurf, habe er die Einmarschroute der deutschen Soldaten nach Mazedonien ausgeplaudert. Scharping versuchte es mit Vorwärtsverteidigung und plauderte ein zweites Mal - diesmal über die Briten. Die hätten, so soll er den Ausschussmitgliedern anvertraut haben, die deutsche Beteiligung am zweiten Entwaffnungsversuch zu sabotieren versucht, zugesagte Hilfe verzögert und beide möglichen Einmarsch-Wege ins Land für zu riskant erklärt. Deshalb die klare Benennung des deutschen Marschweges.

Nicht nur Oppositionspolitiker sollen konsterniert gewesen sein. Jene aber sprachen sogleich von außenpolitischem Schaden, dem "i-Tüpfelchen" in der "Affäre Scharping" nach Planschfotos und Liebesflügen - und forderten mit neuer Vehemenz den Rücktritt des Redseligen. Die Aufmacher waren geschrieben, der Angeschlagene hätte es erneut auf die Titelseiten und sich selber womöglich ins politische Aus gebracht - wenn an just diesem Tag nicht eine fürchterliche Anschlagsserie alle anderen Themen zur Randnotiz hätte schrumpfen lassen. Es war der 11. September, und von Scharping redete plötzlich keiner mehr ...

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