• Mazedonien: Rüsten - so gut es geht. Mazedoniens Armee macht mobil, die Rebellen sind beweglicher

Kultur : Mazedonien: Rüsten - so gut es geht. Mazedoniens Armee macht mobil, die Rebellen sind beweglicher

Stephan Israel

EU-Chefdiplomat Javier Solana soll bei seiner letzten Landung in Skopje kräftig durchgeschüttelt worden sein. Sein Learjet war gerade dabei, auf der Landebahn aufzusetzen, als kaum 30 Meter höher ein Kampfflugzeug der mazedonischen Armee vorbei donnerte. Solana hatte die ungemütliche Begegnung der neuesten Errungenschaft der Regierungstruppen zu verdanken: Es war einer der vier Flieger des Typs SU-27, der über den Köpfen der EU-Vermittler zu einem neuen Angriff auf Rebellenstellungen startete. Mazedonien hat die Kampfflugzeuge aus russischer Produktion von der Ukraine gekauft. Die Maschinen werden laut mazedonischen Presseberichten vorerst noch von ukrainischen Piloten geflogen. Ein ähnliches "Arrangement" wurde angeblich auch für die sechs gebrauchten Kampfhubschrauber des Typs Mi 24 beziehungsweise Mi 8 getroffen, die auch aus der Ukraine gekauft wurden.

Die Kriegskasse ist leer

Anders als etwa im Fall der Konflikte in Bosnien oder Kroatien während der 90er Jahre hat die UN Mazedonien bisher (noch) keinem Waffenembargo unterstellt. Die Regierung in Skopje kann sich für den Kampf gegen die "albanischen Terroristen" nach Belieben mit Kriegsgerät eindecken. Selbst EU-Staaten haben dem bedrohten Kleinstaat Truppentransporter, schusssichere Westen und Nachtsichtgeräte "geschenkt". Inzwischen dürfte in Brüssel ein Umdenken eingesetzt haben. Die EU-Außenminister haben klar gemacht, dass sie Mazedonien keine Hilfe mehr gewähren wollen, wenn damit nur Waffen eingekauft werden. Weiteres Kriegsgerät soll aber laut der Tageszeitung "Dnevnik" schon unterwegs sein.

Das Budget der Streitkräfte sei im April, kurz nach Beginn des Konflikts, schon ausgeschöpft gewesen, heißt es in Skopje. Für den Waffeneinkauf wurden offenbar entgegen den Anweisungen der Weltbank auch knapp 30 Millionen Mark aus der Teilprivatisierung der Telefongesellschaft eingesetzt. Der ukrainische Verteidigungsminister Kusmuk soll die Rüstungsgeschäfte eingefädelt haben. Mazedonien ist auch mit Jugoslawien und Bulgarien im Gespräch, deren Waffenschmieden nach Absatzmöglichkeiten suchen. Bulgarien hat dem Nachbarn schon 1999 knapp hundert alte russische Panzer abgetreten. Die Streitkräfte des Kleinstaates mussten nach der Unabhängigkeit praktisch von Null anfangen.

Die Aufrüstung ändert nichts daran, dass die gut zehntausend Mann starken Streitkräfte im Kampf gegen die so genannte "Nationale Befreiungsarmee" über die schlechteren Karten verfügen. In der Armee der Regierung dienen undisziplinierte Reservisten neben unerfahrenen Rekruten unter dem Kommando von Offizieren, deren Einsatzdoktrin noch durch die kommunistisch Ära geprägt ist.

18 000 Mann auf Abruf

Der UCK fehlt es auf der anderen Seite nicht an Motivation und an Personal mit Erfahrung im Guerillakrieg. Unter dem 60-jährigen Gezim Ostreni, zwischenzeitlich auch Generalstabschef der formell demilitarisierten Kosovo-Schutztruppe (TMK), dient eine Reihe von Veteranen aus dem Kosovo und anderer Kriege auf dem Territorium Ex-Jugoslawiens. Entgegen den Behauptungen der Regierung stammen die UCK-Kämpfer fast ausschließlich aus Mazedonien selbst. Ihre Stärke soll von wenigen Hundert auf mehrere Tausend angestiegen sein. Ein Kommandant mit dem Kriegsnamen Sokoli bluffte kürzlich mit der Behauptung, 18 000 Mann auf Abruf bereit zu haben. Die Zahl mag weit übertrieben sein, doch besteht kein Zweifel, dass die UCK innerhalb der rund 30 Prozent starken albanischen Minderheit in Mazedonien auf ein großes Rekrutierungsfeld arbeitsloser und frustrierter Jugendlicher zurückgreifen kann.

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