MDR Musiksommer : Klassisches Dreieck

Seit 25 Jahren bringt der „MDR Musiksommer“ Konzerte bis in die ländlichsten Zipfel der drei Bundesländer Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen.

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Der Festsaal der Heidecksburg in Rudolstadt
Der Festsaal der Heidecksburg in RudolstadtFoto: MDR/Stephan Flad

Alles begann mit der „Auferstehung“. Mit Gustav Mahlers 2. Sinfonie nämlich, die aufgrund ihres triumphalen Finales diesen Beinamen trägt. Im Weimarer Schlosshof erklang das monumentale Werk Ende Juni 1992, beim Eröffnungskonzert des allerersten MDR Musiksommers. Genau ein Vierteljahrhundert später steht die Sinfonie nun wieder auf dem Programm, diesmal in der 3000 Zuschauer fassenden Dresdner Kreuzkirche.
Am 26. Juni wird der in Estland geborene Kristian Järvi als Chefdirigent des MDR Sinfonieorchesters die Aufführung leiten, an der auch der MDR Chor sowie Angelika Kirchschlager und Miah Persson als Solistinnen mitwirken. Denn das Festival war von Anfang an eine Leistungsschau der sendereigenen Ensembles. Die verkürzen dafür ihre Sommerpause auf drei Wochen, um jeweils zu Beginn und zum Finale des Musiksommers präsent sein zu können.
So werden sie zum Beispiel im Juli mit dem Star-Trompeter Gabor Boldoczki in Schneeberg im Erzgebirge auftreten sowie in Schmalkalden im südwestlichsten Zipfel Thüringens. Mit dem Cellisten Jan Vogler sind sie außerdem in der Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg zu erleben und im Congress-Centrum in Suhl. Der MDR Chor – mit 72 Sängerinnen und Sängern größter Profichor Deutschlands – wiederum gastiert in den Domen von Naumburg und Magdeburg, der MDR Kinderchor gestaltet ein Konzert in der Lutherstadt Wittenberg sowie den Familientag des Festivals auf Schloss Weesenstein in der sächsischen Gemeinde Müglitztal.

"Wir wollen für alle da sein", sagt MDR-Klassikchef Dufner

„Weil ja jeder Bürger in den drei Bundesländern unseres Sendegebietes Rundfunkbeitrag zahlt, wollen wir auch für alle Bürger da sein“, erklärt, Carsten Dufner, der Leiter der Hauptabteilung „MDR Klassik“. „Unser Ziel ist es, dass jeder in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen mindestens eines unserer Konzerte in maximal 30 Minuten Fahrzeit erreichen kann.“ In über 300 Orte haben die insgesamt 1500 Konzerte des Musiksommers in den vergangenen 25 Jahren klassische Klangerlebnisse gebracht. Und auch 2016 verteilen sich die 30 Spielstätten ziemlich gerecht über die Landkarte, von Salzwedel und Havelberg ganz im Norden bis nach Annaberg-Buchholz im Süden, von Eisenach im äußersten Westen bis nach Ostritz und Görlitz an der Grenze zu Polen (detaillierte Informationen zu allen Konzerten im Internet unter: www.mdr-musiksommer.de).
Großen Wert legt Carsten Dufner darauf, dass der großmächtige MDR nicht einfach nur in der Provinz „einreitet“, um seine Konzerte zur Steigerung des eigenen Prestiges zu veranstalten. „Uns ist sehr daran gelegen, mit den Institutionen vor Ort zu kooperieren. Wir wollen Partner sein, die gemeinsam etwas besonders auf die Beine stellen.“ Dabei geht es auch darum, sicherzustellen, dass die touristischen Attraktionen nicht ausgerechnet am Tag eines Konzertes schon am frühen Nachmittag schließen oder auch, dass die Gastwirte der Gegend auf den Ansturm hungriger Klassikfans eingerichtet sind. Bei zwölf Konzerten sind sogar kulturgeschichtliche Führungen im Eintrittspreis inbegriffen sowie ein anschließender Sektempfang.

Blick auf das Neue Schloss in Bad Muskau
Blick auf das Neue Schloss in Bad MuskauFoto: MDR / Andreas Lander


Die Idee, Klassik auch hinaus aus den Metropolen aufs Land zu bringen, wurde vor drei Jahrzehnten in Schleswig Holstein erstmals in die Tat umgesetzt. Während in den nördlichen neuen Bundesländern Festivals nach diesem Credo von Privatpersonen gegründet wurden – in Mecklenburg-Vorpommern war der Hamburger Kinderarzt Matthias von Hülsen die treibende Kraft, bei den Brandenburgischen Sommerkonzerten der Berliner Rechtsanwalt Werner Martin – ging in Mitteldeutschland die Gründung vom Sender MDR aus. Wobei dazu gesagt werden muss, dass der damalige Klassik-Chef gerade aus Hamburg nach Leipzig gewechselt war und sich darum bestens mit Genese und Organisation des Schleswig-Holstein Musik Festivals auskannte.
Das erklärt auch, warum Justus Frantz von Anfang an eine so bedeutende Rolle beim MDR Musiksommer spielte. Zunächst trat der musizierende Musikmanager vor allem als Pianist auf, dann als Dirigent mit seinem Privatorchester, der Philharmonie der Nationen. 2016 kann er seinen 75. Auftritt beim Drei-Länder-Festival feiern. „Die Auftritte von Justus Frantz in der Rotkäppchen Sektkellerei sind Kult und jedes Mal in Windeseile ausverkauft“, erzählt Oliver Jueterbock, der Manager des MDR Musiksommers.
„Er weiß einfach genau, wie er das Publikum gewinnen kann, und ist darum der Richtige für Freiluft-Events oder auch, wenn es darum geht, eine neue Spielstätte zu etablieren.“
Ziemlich spektakulär ist der Ort, an dem Justus Frantz mit seiner Truppe am 7. August aufspielt: Auf einer Waldlichtung am Fuße der hoch aufragenden Talsperre von Tambach- Dietharz erklingen dann Beethovens fünfte und sechste Sinfonie.

Die großen Knabenchöre sind regelmäßig zu Gast beim Festival

Zu den regelmäßigen, immer wieder gern gesehenen Gästen des MDR Musiksommers gehören die berühmten Knabenchöre, die Dresdner Kruzianer, die am 3. Juli in Havelberg singen, die Leipziger Thomaner, die am 26. August in Eisleben auftreten, ebenso wie die Windsbacher, die nach Meseburg reisen, und die Regensburger Domspatzen, die in Görlitz zu erleben sind. Ein Podium finden natürlich auch regionale Ensembles wie das Vokalquintett „Calmus Ensemble“ (am 14. August in Radebeul) oder die Kammersymphonie Leipzig (am 8. Juli in Meissen).
Und sogar der TV-Sachse schlechthin ist 2016 mit dabei, Comedian und Betroffenheitslyriker Olaf Schubert, dessen Nachname ja immerhin in die Welt der Klassik verweist. Schubert wird am 11. Juli die heiligen Hallen der Dresdner Semperoper entern, gemeinsam mit einem Bergsteigerchor. Der Abend, über den bislang nicht mehr bekannt ist, als dass es um „die ziemlich große Oper“ gehen soll, wird selbstverständlich auch fürs MDR-Fernsehprogramm aufgezeichnet.

12 Themenreihen geben Orientierung

Auf dem Gebiet der Nachwuchsförderung bewegt sich der Musiksommer seit 2011 mit der Konzertreihe „Die nächste Generation“. Dafür werden eigens bei drei landesweiten Musikschulwettbewerben junge Talente in den Altersklassen zehn bis 14 Jahre sowie 15 bis 19 Jahre gesucht. Die Gewinner erhalten dann die Gelegenheit, mit den erfahrenen Profis des MDR-Orchesters in Workshops Repertoire zu erarbeiten. Diesmal werden sich zwei Klaviertrios sowie eine Viererformation mit Streichern und Cembalo dem Publikum in Freiberg, Altenberg sowie auf Burg Mildenstein vorstellen.
„Die nächste Generation“ ist eine der insgesamt 12 Themenreihen des Musiksommers. Andere heißen „Lebendige Klöster“, „Straße der Romanik“, „Lutherorte“ oder „Unesco- Welterbe“. „Die Reihen sind gedankliche Bänder, die sich durchs Festival-Programm schlängeln“, sagt Carsten Dufner. „Das funktioniert gewissermaßen wie die Empfehlungen auf vielen Online-Portalen: Menschen, die dieses Konzert gewählt haben, könnten sich auch für jene Veranstaltungen interessieren...“

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