Medien : Ärger um russische "Forbes"-Story

Nach Protesten der Frau des Moskauer Bürgermeisters Juri Luschkow gegen eine ihr gewidmete Titel-Story hat der Axel-Springer-Verlag das Dezember-Heft des russischen "Forbes"-Magazins" vorübergehend gestoppt.

Berlin/Moskau - Der Verlag habe noch vor der Drucklegung ein verkürzt wiedergegebenes Zitat über die Luschkow-Gattin und Milliardärin Elena Baturina korrigiert, sagte eine Sprecherin des Verlags. Das Zitat auf der Titelseite hatte nahe gelegt, dass Baturinas Firma von Luschkow protegiert wird. Außerdem sei der Text über Baturina später inhaltlich geprüft worden, weshalb das Magazin erst am Freitag mit einem Tag Verspätung an die Kioske kam.

Die von Axel Springer Russia herausgegebene Lizenz-Ausgabe des US-Wirtschaftsmagazins "Forbes" berichtet in ihrer Dezemberausgabe über Baturina, die demnach die "einzige Milliardärin Russlands" ist. Auf der Titelseite des Magazins steht das Zitat: "Die mir zugesicherten Rechte werden geschützt". Der auf dem Titel prangende Ausspruch war aus einem Zitat verkürzt worden, in dem sie gesagt hatte: "Wie bei allen Investoren werden die mir zugesicherten Rechte geschützt". Baturina hatte durch einen Vorabdruck der Titelseite im russischen "Newsweek"-Magazin von der Titelseite erfahren.

"Zurecht beschwert"

Vor dem Hintergrund der Interessenverquickung zwischen der Bauunternehmerin und dem mit ihr verheirateten Bürgermeister konnte die Verkürzung so verstanden werden, dass Luschkow schützend seine Hand über Baturina halte. Baturina hatte in dem Interview aber erläutert, wie sie ihre Geschäfte für die Zeit nach dem Ende von Luschkows Amtszeit absichere. Luschkow gilt als einer der einflussreichsten Politiker Russlands.

Der Chefredakteur der Zeitschrift, Maxim Kaschulinski, hatte zuvor behauptet, das Dezember-Heft sei eingestampft worden und aus Protest gekündigt. Ob Kaschulinski an der Kündigung festhalte, stehe noch nicht fest, sagte die Springer-Sprecherin. Der Verlag hoffe, dass sich die Gemüter beruhigen. Allerdings fügte die Sprecherin hinzu, dass sich Baturina "nach journalistischen Standards zurecht über das Titelblatt beschwert" habe.

Die vom Heraugeber für erforderlich gehaltene Änderung des Zitats auf der Titelseite führte zu einer Verzögerung der Auslieferung. "Forbes" erscheine in Russland diesmal einen Tag später als geplant, sagte die Sprecherin. Das von Kaschulinski verkündete Einstampfen der Auflage von rund 100.000 Exemplaren sei jedoch nicht erforderlich. Die Verärgerung des Chefredakteurs war dadurch entstanden, dass er den Einspruch Baturinas zunächst als Eingriff in die redaktionelle Freiheit angesehen hatte. Die Sprecherin stellte klar, dass lediglich das missverständliche Zitat vom Titel genommen worden, der Inhalt des Sieben-Seiten-Artikels aber nicht geändert worden sei.

Geschätztes Vermögen von 2,4 Milliarden Dollar

Die 43-jährige Baturina hat nach "Forbes"-Schätzungen ein Vermögen von 2,4 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) und liegt auf der Liste der reichsten Russen auf Platz 29. Der von ihr geleitete Konzern Inteko ist das bedeutendste Tiefbauunternehmen in Moskau.

Der Axel-Springer-Verlag hatte "Forbes" in Russland im April 2004 gestartet. Erster Chefredakteur des Blatts war der Journalist Paul Khlebnikov. In seinem Magazin hatte er zum Start des Hefts nach dem Vorbild des US-Muttermagazins eine Liste der reichsten Russen abgedruckt. Kurze Zeit später wurde Khlebnikov, der sich bereits zuvor in Artikeln und Büchern über die Machenschaften russischer Oligarchen berichtet hatte, in Moskau auf offener Straße erschossen. (tso/ddp)

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