Mediensatire : Operation gelungen, Lackaffe tot

Jan Henrik Stahlbergs Mediensatire „Short Cut to Hollywood“ rennt offene Türen ein und ist erschreckend weltfremd.

Frank Noack

Jan Henrik Stahlberg gehört zu den besten deutschen Schurkendarstellern. Er ist nicht vordergründig furchteinflößend, kein Kraftpaket, kein aggressiver Psychopath, sondern eher der Typ EkelYuppie: der fiese Juniorchef, der Angestellte demütigt und feuert. Man kann es ihm nicht verdenken, dass er auch mal andere Saiten aufziehen will. Nachdem er in seinem Regiedebüt „Muxmäuschenstill“ noch als arroganter, selbstgerechter Weltverbesserer aufgetreten war, präsentiert er sich in seinem dritten Film „Short Cut to Hollywood“ als Märtyrer.

Johannes Selinger hat mit 37 noch nichts erreicht und träumt nach wie vor vom Durchbruch. Nur als was? Eine mittlere Begabung teilt er mit seinen Freunden Mattias (Co-Regisseur Marcus Mittermeier) und Christian (Christoph Kottenkamp): Die drei Hobby-Musiker bilden eine Art Boygroup. Und wie wird man berühmt, wenn Stimme und Charisma nicht ausreichen? Man inszeniert einen Skandal. Johannes nimmt den Künstlernamen John F. Salinger an und lässt sich vor laufender Kamera einen Finger amputieren. Er kündigt weitere Operationen an. Dazu reisen die Freunde in die USA, denn hier ist man für solche Späße besonders empfänglich. Der Preis ist hoch. Wenn es nichts mehr zu amputieren gibt, muss Johannes den letzten Schritt wagen und die Karriere mit dem Leben bezahlen.

Eine Mediensatire also. Eine, die wie die meisten Mediensatiren offene Türen einrennt. Der Niveauverlust des Fernsehens ist in der Tat bedrückend, aber ein Gefühl moralischer Überlegenheit hilft niemandem weiter. Der wirksamste Schlag dagegen ist immer noch der Boykott. Stahlberg schimpft und spottet lieber und bleibt den Beweis schuldig, dass er selbst ein gehaltvolleres Programm gestalten könnte.

Zudem erweist sein Film sich als erschreckend weltfremd. Stahlberg will uns weismachen, die doofen Amis würden sich für die Selbstverstümmelung eines wehleidigen deutschen Amateursängers interessieren. Immerhin die erste Verstümmelung ist filmisch gut umgesetzt – die Kamera erfasst jedes Detail im Raum, nur nicht die Operation selbst. Da spürt man die Kunst der Andeutung. Auch das Talent der Darsteller ist unübersehbar. Nur warum um alles in der Welt müssen sie auch noch schreiben und Regie führen?

Aber vielleicht sollte man als Außenstehender gar nicht so viel über den Sinn des Unternehmens grübeln. „Short Cut to Hollywood“ ist ein Film für den engsten Freundeskreis. Frank Noack

Cinemaxx, Kulturbrauerei

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