Kultur : Meer aus Sand

Dorfkrieg: Mohamed Chourikhs "Die Arche in der Wüste""Romeo und Julia auf dem Dorfe", so hieß Kellers Aktualisierung des Shakespeare-Stoffs und schilderte das Scheitern der Liebe an der Engstirnigkeit Schweizer Bauern."Romeo und Julia in der Wüste" könnte die neueste Version der Geschichte heißen, die der algerische Regisseur Mohamed Chourikh erzählt.Allerdings geht es ihm weniger um die Tragik, die die Liebesgeschichte für die Einzelfiguren bedeutet.Für Chourikhs kleinen, intensiven Film zählen die tödlichen Auswirkungen, die ein nichtiger Anlaß für eine Gemeinschaft hat. Mehr als eine Tändelei ist es kaum zwischen Amin und Myriam, doch sie versetzt ein ganzes Sahara-Dorf in den Kriegszustand.Wo bislang zwei unterschiedliche Ethnien immerhin friedlich nebeneinander lebten, brechen über Nacht mit beänstigender Schnelligkeit und Selbstverständlichkeit uralte Stammeszwiste auf: Sofort sind Straßen verrammelt, Häuser mit Spruchformeln beschmiert, brechen Familien, Arbeitsgemeinschaften und Freundschaften auseinander.Die Krieger, die unter flatternden Tüchern in die Schlacht reiten, wären als Historien- oder Fantasyspektakel richtig besetzt, wenn, ja wenn das Ganze nicht blutiger Ernst und heutige Realität wäre. So folkloristisch, so farben- und sinnesfroh die Dorfgemeinschaft auch erscheinen mag: Vor dem Hintergrund des Rassen- und Stammesfanatismus wirken auch die schönsten Wüstenpanoramen bedrohlich.Mehr noch als an den wie Spielbälle der Stammesinteressen getriebenen Liebenden zeigt sich die Intoleranz der Gemeinschaft an ihren Ausgestoßenen: In einer verfallenen Burg unweit der Stadt hausen die Witwen, die Houria (wundervoll knochig: Messaouda Adami) zu einer utopisch autarken Frauenwelt zusammenfügt.Geduldet im Kreis der Frauen ist der verrückte Alte, der davon träumt, als neuer Noah in einer Arche zu überleben.Aber kein Tier, geschweige denn ein Kind rettet sich in die Arche im Meer aus Sand: Kein göttliches Wunder löst den Konflikt der Menschen. til Filmbühne am Steinplatz (OmU)

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